Rückblicke | Page 8

Walter Grünfeld
(27), bei der unter den ersten 18 gew?hlten Stadtverordneten sieben Juden waren (28), darunter auch Ignatz Gr��nfeld, der bis zu seinem Tod 1894 Stadtverordneter blieb.
Der Bruder meiner Gro?mutter, Elias Sachs, wurde noch aktiver in der Stadtverwaltung. Nach einer fr��hen meteorischen Karriere, er fing an mit dem Sammeln von Pferdekutteln als Brennstoff und Bindemittel f��r die H��ttenindustrie, dehnte das auf bedeutenden Kohlenhandel aus, gr��ndete das erste Bankgesch?ft in Kattowitz und beteiligte sich mit zwei anderen Kattowitzer Stadtverordneten, Rosse und Hammer, an der Gr��ndung der Kattowitzer AG f��r Eisenh��ttenbetrieb in Hajduck (28), in deren Aufsichtsrat er bis zu seinem Tod in Berlin 1908 aktiv blieb. Er war seit 1872 Stadtrat in Kattowitz und wurde 1892 vor seinem Wegzug nach Breslau zum Stadt?ltesten ernannt. Das von meinem Gro?vater Ignatz Gr��nfeld gegr��ndete Baugesch?ft war auch sehr erfolgreich. Es wurde unter seinem Namen noch bis in die 1930er Jahre fortgef��hrt (29).
In dem steten Wachstum der Stadt Kattowitz hatte es noch zwei neue Entwicklungen gegeben, die ihre zunehmende Bedeutung innerhalb des oberschlesischen Industriebezirks kennzeichnen. 1882 wurde der Sitz des Oberschlesischen Berg- und H��ttenm?nnischen Vereins, der Zentralorganisation der oberschlesischen Schwerindustrie von Beuthen nach Kattowitz verlegt, und 1895 wurde Kattowitz zum Sitz der neuzubildenden eigenen Eisenbahndirektion f��r den oberschlesischen Industriebezirk bestimmt. Dem gingen l?ngere Verhandlungen mit der Stadtverwaltung voran, die Schaffung des notwendigen Wohnraums f��r die neuen Beamten garantieren mu?te. Hierbei soll mein Gro?vater noch auf Seiten der Stadtverwaltung eine aktive Rolle gespielt haben.
Von den sechs S?hnen des Ignatz Gr��nfeld w?hlten zwei auch das Baufach. Der zweit?lteste, Max, studierte Architektur und blieb im Regierungsdienst, kehrte dann als Regierungsbaumeister a.D. nach Kattowitz zur��ck. Der dritt?lteste, mein Vater Hugo Gr��nfeld, besuchte die Baugewerkschule und trat dann mit dem Titel Baumeister noch sehr jung in das Baugesch?ft seines Vaters ein. Nach dem Tod meines Gro?vaters 1894 f��hrten diese beiden Br��der sein Baugesch?ft weiter und wurden auch in ?mter in der Stadtverwaltung gew?hlt. Max war einige Jahre als Stadtbaurat Mitglied des Magistrats, mein Vater wurde Stadtverordneter (30).
Wie weit die Parteipolitik Deutschlands schon im 19. Jahrhundert zu Zeiten meines Gro?vaters eine Rolle bei Stadtparlamentswahlen in Kattowitz gespielt hat, konnte ich nicht mehr feststellen. Die liberalen b��rgerlichen Kreise in Deutschland hatten sich nach 1848 in verschiedene Richtungen entwickelt: die Nationalliberalen wurden ganz systemtreu auf Seiten Bismarcks, die Freisinnige Volkspartei stand, mehr fortschrittlich, links davon, also blieben die eigentlichen Vork?mpfer der 1848er Ideale. Rechts von den Nationalliberalen gab es dann noch die Konservativen und Alldeutschen als radikale Nationalisten. Die f��hrenden Leute der oberschlesischen Schwerindustrie geh?rten zum mehr rechtsgerichteten Lager der Nationalliberalen, wenn nicht noch weiter rechts, und die gro?e gut etablierte Tageszeitung "Kattowitzer Zeitung" stimmte mit dem vorherrschenden Trend von Industrie und Beamtentum ��berein. Das freisinnige B��rgertum hatte ja in der Stadtverwaltung von Kattowitz eine starke Stellung, ebenso wie in Breslau und Berlin, aber dort gab es auch freisinnige Zeitungen (die "Breslauer Zeitung" und mehrere sehr bekannte in Berlin).
Bei den beiden Br��dern Gr��nfeld war das politische Engagement zu Beginn des Jahrhunderts jedenfalls schon sehr ausgesprochen. Sie unternahmen einen Versuch, im "0berschlesischen Tageblatt" eine den Gedanken der Freisinnigen Partei ergebene Zeitung aufzubauen. Als Redakteur war Balder Olden, Bruder des sp?ter bekannter gewordenen Schriftstellers und Journalisten Rudolf Olden, engagiert worden. Die Zeitung konnte sich aber nicht halten, und mu?te mit 300.000 Mark Verlust aufgegeben werden, wie mir mein Vater erz?hlt hat.
Das gro?v?terliche Baugesch?ft hatte sich aber weiter gut entwickelt. Ein neuer Zweig, Lieblingsprojekt meines Vaters, war eine gro?e Ziegelei, die 1895 im Gebiet des fr��heren "Vorwerks" von Kattowitz, Karbowa, ausgestattet mit den letzten technischen Neuerungen gebaut wurde, auch f��r Spezialprodukte wie glasierte Ziegel und andere Ziersteine, die man noch heute an manchen Fassaden in Katowice sehen kann. Daneben wurde auch eine Bautischlerei und Schmiedewerkstatt er?ffnet.
Mein Onkel Max Gr��nfeld aber zog dann schon fr��h nach Berlin und er?ffnete eine Filiale der Firma, die dort eine ganze Reihe von Wohnh?usern baute, vor allem in Charlottenburg und Wilmersdorf, aber eins auch Unter den Linden. Er praktizierte auch als Architekt, wurde ein sehr aktiver und prominenter Freimaurer, baute auch das bekannte Logenhaus in der Emser Stra?e in Wilmersdorf. Er heiratete erst im Alter, 1925, hatte sich schon vorher aus dem Gesch?ft zur��ckgezogen und starb 1932 in Berlin.
Von den vier anderen Br��dern meines Vaters waren zwei Mediziner, der ?lteste, Hermann, als praktischer Arzt in Berlin-Kreuzberg (31), und Ernst (32) orthop?discher Chirurg in Beuthen. Die anderen zwei studierten Jura, Bruno war Justizrat in Berlin, aber der j��ngste, Paul, trat nach seinem Studium in die Erzhandelsfirma Rawack & Gr��nfeld in Beuthen ein, beteiligte sich sp?ter an einer chemischen Fabrik in N��rnberg, aus der sich die Gesellschaft f��r Elektrometallurgie (GfE), f��hrend in der Ferrolegierungsindustrie, entwickelte. Er war ein sehr unternehmerischer und weitsichtiger Mann, in einem Industriezweig, der im Laufe des 20. Jahrhunderts gro?e Bedeutung und M?glichkeiten errang.
Von den vier Schwestern des Vaters heirateten drei Juristen, Martha den Justizrat Ernst Kaiser in Beuthen, Minna den Justizrat
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