Rückblicke | Page 9

Walter Grünfeld
Salomon Epstein in Kattowitz, wo er auch bis zu seinem fr��hen Tod 1908 kurze Zeit Stadtverordnetenvorsteher wurde, und Luzie den Landgerichtsrat Max Hirschel in Gleiwitz. Die j��ngste Tochter, Ida, heiratete Felix Benjamin, einen Neffen des Geheimen Kommerzienrats Louis Gr��nfeld, Chef der Firma Rawack & Gr��nfeld, dessen Nachfolger er auch wurde.
Die Familien Gr��nfeld und Sachs waren aber noch viel gr??er. Jakob Gr��nfeld in Zalenze hatte acht T?chter und zwei S?hne, Elias Sachs vier S?hne und Tochter Grete, und es gab noch einen Bruder Abraham und weitere Schwestern Sachs meiner Gro?mutter.
Heirat meines Vaters mit Margarete Oettinger
Mein Vater war lange Junggeselle geblieben, bis er 1906 mit 41 Jahren meine Mutter, die 18 Jahre j��ngere Margarete Oettinger aus Breslau heiratete. Ihre Familie kann ich bis auf meinen Ururgro?vater Josef Oettinger in Rackwitz (Rakoniewice) in der Provinz Posen verfolgen (33). Einer seiner S?hne, mein Urgro?vater Albert, wurde Arzt, promovierte an der Universit?t Berlin 1835 (34), und lie? sich in Neustadt bei Pinne (Lwowek) nieder, verheiratet mit Ettel Schiff (35). Das Ehepaar hatte drei S?hne und eine Tochter, die den Arzt Dr. Riesenfeld in Breslau heiratete.
Alle drei S?hne gingen auch nach Breslau und mein Urgro?vater starb dort 1860. Bei seinem ?ltesten Sohn Richard war ungew?hnlich, da? er als Junge bei einem der polnischen Aufst?nde mitgemacht haben soll. Dann heiratete er eine deutsche, nichtj��dische Schauspielerin, war im Flachsgro?handel sehr erfolgreich, so da? er zeitweilig als der reichste Mann Breslaus angesehen wurde. Sein Sohn, Richard, wuchs als Protestant auf und war Rittmeister bei den Gleiwitzer Ulanen. Die beiden anderen S?hne, Siegmund und mein Gro?vater Max Oettinger, gr��ndeten zusammen ein Flachsgro?handelsgesch?ft und brachten es zu Wohlstand, Siegmund sp?ter in Berlin.
Mein Gro?vater f��hrte das Gesch?ft in Breslau weiter, wo er auch ein angesehener Mitb��rger wurde, viele Jahrzehnte Stadtverordneter, einer von vier Abgeordneten der Stadt Breslau im Schlesischen Provinziallandtag und lange Jahre Direktor der "Gesellschaft der Freunde", einer b��rgerlichen Vereinigung, in der die liberalen Kreise zusammengeschlossen waren, im Gegensatz zu der bekannten sehr alten Kaufmannsvereinigung des "Zwinger". Er heiratete Minna Weinstein aus Insterburg in Ostpreu?en, wo ihr Vater Direktor einer Spinnerei war (36).
Meine Mutter war das j��ngste der drei Kinder. Die ?ltere Schwester Frieda war verheiratet mit Dr. Paul Gerber in K?nigsberg, Arzt und auch Schriftsteller (37), Mutters Bruder Walter Oettinger war Arzt, Bakteriologe, au?erordentlicher Professor an der Universit?t Breslau (38). Die Geschwister und einige der Vettern und Kousinen meiner Mutter wurden protestantisch. Eine der engsten Freundinnen meiner Mutter in ihrer sp?ten Jungm?dchenzeit in Breslau war Stella Whiteside, sp?ter verheiratet mit Dudley Braham, eine von zwei englischen Schwestern, die damals in Schlesien lebten und englischen Unterricht gaben. Sie hat mir viel sp?ter, als ich sie nach dem 2. Weltkrieg in London wiedersah, erz?hlt, da? sie dabei war, als meine Eltern sich zum ersten Mal sahen (39).

Kapitel 3
Kindheit und fr��he Jugend
Nachdem ich nun versucht habe, ein Bild von Vorgeschichte und "background" zu skizzieren, kehre ich wieder zu meinen eigenen Kindheits- und Jugenderinnerungen zur��ck, mit denen wir begonnen hatten. Wir wohnten in einer gro?en Villa, von der Friedrichstra?e, Hauptverkehrsader der Stadt, durch einen Vorgarten, mit B?umen und Str?uchern dicht bewachsen, Blumenbeten und Spazierwegen dazwischen, abgeschirmt. Im ersten Stock war aber auf diesen Garten und die Friedrichstra?e hinaus ein gro?er Balkon, von dem man die Stra?e gut sah und so am Leben, das da vor sich ging, Anteil nehmen konnte. Da zogen vorbei die j?hrliche gro?e Fronleichnamsprozession und andere festliche Umz��ge, viele lange Beerdigungsz��ge, oft mit ein oder mehreren Musikkapellen, manchmal Gruppen von sch?n uniformierten Bergleuten dabei, Truppen marschierten ein und aus, Demonstrationen und auch Schlimmeres. Gegen��ber unserem Vorgarten, an der anderen Ecke der Schulstra?e lag die evangelische Kirche, auch mit gro?em Vorgarten, aber doch so, da? das Kommen und Gehen auch zu unserer kindlichen Umwelt geh?rte, ebenso wie bei den beiden Mittelschulen uns gegen��ber an der Schulstra?e.
Westlich angrenzend, an der Friedrichstra?e, war in meiner fr��hen Kindheit das Haus der Gro?eltern Gr��nfeld, 1870 gebaut, in dem bis 1913 die Gro?mutter wohnte, mit zwei verwitweten Schwestern des Vaters und deren Kindern. N?rdlich von beiden H?usern zog sich ein gro?er Garten bis zum Rawaflu? hin, mit einer Spielwiese an der Rawa, einem Tennisplatz, viel Obstb?ume und Gem��segarten, Holunder, Jasmin und dann waren da auch St?lle f��r die Pferde und Haustiere. Wir Kinder hatten also ein Paradies und immer viel Besuch von anderen Kindern, die beinahe t?glich zum Spielen kamen. Auch sonst war immer viel Besuch. Das Haus war nicht leer, denn es brauchte ja viel Hilfe, und diese Menschen waren auch Teil der kindlichen Welt.
Unser Haus hatte 14 Zimmer und war nicht nur in meiner Erinnerung, sondern auch nach dem Urteil vieler Besucher, die kamen, ein besonders sch?nes Haus. Im Erdgescho? zog sich eine gro?e Diele beinahe durch die ganze L?nge des Hauses, links waren ein E?zimmer, mit angrenzender Anrichte, K��che etc., rechts drei weitere Wohnr?ume, Herrenzimmer, Salon und Damenzimmer. Im 1.Stock waren die Schlaf- und
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