interessant zu sehen, wie zur Zeit meiner Urgro?eltern das Leben sich da ver?nderte, mit zunehmender Gewerbefreiheit, und was man ��ber die Emanzipation der Juden und ihre Probleme dabei sehen kann. Juden waren mit dem Wirtschaftsleben von Sohrau wohl lange verbunden. Schon f��r 1511 werden "Judenacker" neben der Stadt erw?hnt (10). Die St?dte lie?en Juden zu ihren M?rkten zu, auch wenn sie sich lange Zeit nicht ansiedeln durften. Erst f��r das 18. Jahrhundert h?ren wir dann von j��dischen Einwohnern. 1791 leben aber an Juden erst 34 Personen in der Stadt, 103 in den "Vorst?dten". 1856 waren es dann schon 471, nach der Emanzipation hatte Sohrau starken Zuzug j��discher Familien vor allem aus den D?rfern der Kreise Rybnik und Pless erhalten. Anfang des 19. Jahrhunderts wird eine Synagoge gebaut, ein Friedhof eingerichtet, ein Rabbiner engagiert, und es gab j��dische Lehrer. Die Schulung der Kinder ist gerade auch nach der Emanzipation ein gewisses Problem in kleinen Gemeinden.
Unter den schlesischen Landjuden, wo ja oft nur wenige, oft nur einzelne j��dische Familien in einem Dorf lebten, gab es die Einrichtung der Hauslehrer, und Privatlehrer gab es dann auch zun?chst in Sohrau. Die ?ffentlichen beaufsichtigten Schulen, die eingerichtet wurden, waren konfessionell, auch der j��dischen Gemeinde oblag nach Emanzipation, f��r die vorschriftsm??ige Schulung ihrer Kinder zu sorgen. F��r kleinere Gemeinden war es finanziell nicht einfach, den neuen beh?rdlichen Verpflichtungen f��r die Erziehung ihrer Kinder nachzukommen. Ein System, junge j��dische Leute als Hauslehrer aufzunehmen, hatte wohl gutsituierten Landjuden geholfen. Um der Schulpflicht nach der Emanzipation zu gen��gen, wurden aber an dazu befugte Lehrer ganz andere Anforderungen gestellt, und die j��dische Gemeinde hatte einen dauernden Kampf, f��r die von ihr angestellten Lehrer beh?rdliche Genehmigung zu bekommen.
Viele konnten die nachtr?glich abzulegenden Examen nicht bestehen. So gab es einen h?ufigen Wechsel. Zeitweise konnte die Gemeinde eine j��dische Volksschule oder sogar einige Klassen einer fortgeschrittenen Schule unterhalten. Wenn in katholischen Volksschulen Platz war, konnten j��dische Kinder auch aufgenommen werden, schon in den 1820er Jahren scheinen manche j��dischen Familien das sogar bevorzugt und sich f��r die Aufrechterhaltung j��discher Schulen gar nicht mehr so interessiert zu haben. Aber noch 1858 mu? eine j��dische Schule wieder errichtet werden, da in der katholischen kein Platz ist. Dazwischen gab es auch einen christlichen Privatlehrer, der eine Schule f��r die protestantischen und j��dischen Kinder unterhielt. Wenn Kinder in nichtj��dische Schulen gingen, mu?te die Gemeinde f��r ihren Religionsunterricht durch einen hinreichend qualifizierten Lehrer sorgen. Als solcher wird fortlaufend A. Gr��nfeld erw?hnt (11), auch noch f��r 1858. Als Religionslehrer t?tig, blieb er also wohl der j��dischen Tradition verhaftet.
In der j��dischen Bev?lkerung sehen wir das bekannte Bild fortschreitender Emanzipation und Assimilation. Schon in der 1. H?lfte des 19. Jahrhunderts finden wir zwei in der Stadt allgemein angesehene j��dische ?rzte (Wachsmann und Karfunkel), mehrere Fabrikbesitzer, aus der M��hlenbesitzer Familie Stern kommt der sp?tere Nobelpreistr?ger f��r Physik Otto Stern (1943 geboren in Sohrau). Auch in den Gremien der Stadtverwaltung finden wir fr��h j��dische Namen, und ebenso in verschiedenen st?dtischen Vereinen, z.B. Frauenverein und Freiwillige Feuerwehr. Im 18. Jahrhundert gab es noch die alten Strukturen in der Stadt Sohrau. Industrie ist ein handwerkliches Gewerbe, und die Z��nfte kennzeichnen die Organisation des st?dtischen Lebens. Im 19. Jahrhundert ?ndert sich das Bild. Auch unter den in die Stadt ziehenden oder dort aufwachsenden Juden gibt es manche Handwerker, recht spezifisch f��r Oberschlesien.
��ber den beruflichen Werdegang meines Gro?vaters Ignatz Gr��nfeld bis er sich 1855 in Kattowitz niederlie?, haben sich einige seiner Zeugnisse erhalten. Nur m��ndlicher ��berlieferung nach war er zun?chst als Lehrling bei dem ebenfalls j��dischen Maurermeister Lubowski in Gleiwitz angestellt. 1847 ist er bereits Maurergeselle und arbeitet bei Maurermeister Petzholtz in Potsdam beim Kuppelbau der dortigen Nikolaikirche, danach weiter als Maurergeselle in Stettin (M��nch) und Breslau (Hoseus), von 1850 als Maurerpolier in Gleiwitz (Wachter und Lubowski). Als Meisterbau wird im Zeugnis vom 16. September 1857 ein Wohnhaus f��r Simon Goldstein in Kattowitz genannt, das sp?ter durch das Caf�� Otto bekannt wurde, und heute noch mit Kawarnia Krysztalowa an der Hauptstra?e in Katowice steht.
Seine Umwelt und Erfahrungen waren deutlich verschieden von denen des Lehrers A. Gr��nfeld in Sohrau. Mit einigem Stolz wurde noch uns Enkeln erz?hlt, da? er in Potsdam an der Kuppel der Nikolaikirche gearbeitet hatte. Die "Wanderschaft" auch au?erhalb Oberschlesiens hatte sicher dazu beigetragen, seinen Blick zu erweitern f��r die erfolgreiche Unternehmerschaft seiner sp?teren Jahre. Aber das Kattowitz, in dem er sich 1855 niederlie?, war zun?chst noch ein Dorf (13). Der benachbarte Bogutzker Hammer war seit 1756 nicht mehr in Betrieb. Diese Form der Eisengewinnung war gegen��ber neueren Entwicklungen nicht mehr konkurrenzf?hig, sowohl wirtschaftlich wie in Qualit?t des Produkts, auch war die Beschaffung von Holz und Erz schwieriger geworden. 1799 wurde das Rittergut an Kommissionsrat Koulhaass verkauft, von dem es seine Tochter Frau Wedding erbte, und das sind schon Namen, die mit der rapiden Entwicklung des Berg- und H��ttenwesens in Oberschlesien eng verbunden sind. Nachdem die

Continue reading on your phone by scaning this QR Code
Tip: The current page has been bookmarked automatically. If you wish to continue reading later, just open the
Dertz Homepage, and click on the 'continue reading' link at the bottom of the page.