Rückblicke | Page 4

Walter Grünfeld
oft demselben Adligen geh?rten, Handel treiben (6).
Sie konnten auch an den regelm?ssigen M?rkten in den gr?sseren St?dten, aus denen sie vertrieben waren, teilnehmen gegen Zahlung von Besuchergeb��hren. Die schon erw?hnte unabh?ngige Eigenwilligkeit des Adels in M?hren zeigte sich nicht nur im starken Anteil von Protestanten, sondern auch im z?hen Widerstand gegen Beschr?nkung ihrer M?glichkeiten, von wirtschaftlicher T?tigkeit von Juden Gebrauch zu machen. Juden betrieben nicht nur Handel, sie wurden P?chter oder Verleger f��r neue gewerbliche Betriebe adliger G��ter, wie Gerbereien oder Branntweinbrennereien (7). Der Refugiumcharakter M?hrens dehnte sich auch auf die M?hren benachbarten Gebiete der einstigen oberschlesischen Herzogt��mer Ratibor und Oppeln aus (8). M?hren wurde auch Refugium f��r andere Juden, so bei Judenvertreibungen aus Wien, w?hrend der Wirren des dreissigj?hrigen Krieges und auch der blutigen Verfolgungen im ?stlichen Polen (Ukraine) 1648. In Schlesien hatte sich die vom gegenreformatorischen Eifer gegen alles "Akatholische" inspirierte und mit der wirtschaftlichen Gegnerschaft der St?dte gegen die Juden gepaarte antij��dische Politik der Habsburger Kaiser bis ins 17. Jahrhundert soweit durchgesetzt, dass es Juden mit Aufenthaltsrechten nur noch in den beiden St?dten Glogau und Z��lz gab, aber sich im s��dlichen Oberschlesien eine kleine j��dische Bev?lkerung auf dem Land erhalten konnte. Wirtschaftliche Bed��rfnisse aber sprachen f��r Aufrechterhaltung j��discher Teilnahme, vor allem aus Polen, an den st?dtischen M?rkten, und es kam zu kleinen Ansiedlungen (9).
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts versuchte Maria Theresia wie schon ihr Vater, die Beschr?nkungen gegen j��dische Residenz auch in B?hmen und M?hren wieder zu verst?rken, und 1744 verf��gte sie die Ausweisung aller Juden aus ihrem "Erbk?nigreich B?heimb" wegen vermeintlicher preu?enfreundlicher Haltung der Juden w?hrend des Schlesischen Kriegs (10). Das betraf auch M?hren. Die Fristen wurden ?rtlich verschieden verl?ngert. Es scheint also, da? Zuwanderung von m?hrischen Juden in das nahe, unterde? zu Preussen geh?rige s��dliche Oberschlesien gerade f��r diese Zeit gut erkl?rlich ist.

Kapitel 2
Die Familie in Kattowitz
Diese f��hrt uns zu den Anf?ngen j��discher Emanzipation, etwas vom Leben in einer der oberschlesischen, kleineren St?dte wie Sohrau, dann der Entwicklung im oberschlesischen Industriegebiet und der Entstehung der Stadt Kattowitz. Die deutsch-polnische Problematik stellt sich vornehmlich in den durch die Teilungen Polens an Preu?en gefallenen Provinzen Posen und Westpreu?en, aber spielt auch eine Rolle im stark polnisch-sprechenden Oberschlesien. Wir denken an kulturelle und kommunale Entwicklung in der jungen Stadt Kattowitz, in der ich dann 1908 geboren wurde.
Meinen Urgro?vater Hirschel Gr��nfeld findet man in der Liste der durch die Hardenberg'schen Reformen 1812 zu preu?ischen Staatsb��rgern werdenden schlesischen Juden (1). 1817 zieht er mit seiner Frau und drei ihrer Kinder von Woschczytz nach der Stadt Sohrau. Nach dem Tod seiner Frau 1818 (3) heiratet er 1820 Lewine (sp?ter Louise) Huldschinsky (4). Diese neue Familie Gr��nfeld hat dann drei S?hne und f��nf T?chter bis Hirschel Gr��nfeld 1840 in Sohrau stirbt.
Ich habe kaum Anhaltspunkte, mir ein Bild von ihm zu machen, h?chstens von der Umgebung, in der er gelebt hat. Das Dorf Woschczytz, schon von mir erw?hnt, ist 1836 ausgewiesen mit einer Wasser- und S?gem��hle und einem Frischfeuer, 57 H?usern und 352 Einwohnern (5). Im Verlauf der wieder zunehmenden Ansiedlung von Juden in Oberschlesien wird es f��r 1693 erw?hnt (6), aber bereits f��r 1678 erscheint ein j��discher Messegast in Leipzig aus Woschczytz(7). Die N?he der Stadt Sohrau hat vermutlich auch j��dische Kaufleute nach dem benachbarten Woschczytz gezogen, da Ansiedlung f��r sie in Sohrau begrenzt war. Wirtschaftlich wurde Sohrau stark durch seine Woll- und sp?ter Leinwandweberei, und dazu kam schon im 16. Jahrhundert ein bedeutendes Schuhmachergewerbe(8), mit zeitweise 32 Meistern. Hirschel Gr��nfelds Beruf "Lederhandel" kann damit zu tun gehabt haben. ��ber Umfang und Erfolg seines Gesch?fts haben sich in der Familie keine Informationen erhalten. Er starb mit etwa 60 Jahren, seine Frau war wesentlich j��nger, das j��ngste der acht Kinder wurde erst im selben Jahr geboren. Eine Schwester der Frau hatte den Gastwirt Hirschel Loebinger in Sohrau geheiratet. Mein Vater hat oft betont, da? die Familien eng zusammenlebten, auch da? die Familie Loebinger ebenso wie die Gr��nfelds von M?hren nach Oberschlesien gekommen waren.
Die beiden ?lteren S?hne Hirschel Gr��nfelds verlie?en Sohrau bald nach seinem Tode, also noch sehr jung, n?mlich Abraham, geboren 1823 und Isaak, sp?ter Ignatz genannt, geboren 1826, mein Gro?vater. Er wird sp?ter ein Maurerlehrling und hat dann verschiedene Stellungen als Geselle und Polier, bis er sich 1855 in der Dorf- und Industriegemeinde Kattowitz als Meister niederl??t. Einen Abraham Gr��nfeld aber finden wir in Sohrau wieder, meist als Lehrer bezeichnet, manchmal als Kaufmann. Auch meine Urgro?mutter hat noch bis um 1870 in Sohrau gelebt, es blieb auch f��r meinen Vater eine Art Begriff eines Herkunftsorts der Familie, ich konnte mir auch heute nachtr?glich ein gewisses Bild vom Leben dort machen, denn es gibt eine sehr ausf��hrliche Stadtgeschichte (9). Meine Heimatstadt Kattowitz gab es ja noch gar nicht als Stadt in der 1.H?lfte des 19. Jahrhunderts, aber Sohrau war eine alte Stadt mit althergebrachtem b��rgerlichem und Zunftleben, ��berwiegend katholisch geblieben. Ich fand es
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