Leben und Tod des Königs Johann | Page 6

William Shakespeare
Gestalt in einen eben so grossen Format ausdehnen. Dieser Gottfried war von Geburt dein ?ltrer Bruder, und dieser hier ist sein Sohn. England war Gottfrieds Recht, und dieser hat es von Gottfried ererbt; wie kommt es dann, um Gottes willen! da? du ein K?nig genennt wirst, so lange lebendiges Blut in diesen Schl?fen schl?gt, die einen Anspruch an die Crone haben, welche du zur Ungeb��hr tr?gst?
K?nig Johann. Von wem hast du diesen grossen Auftrag, Frankreich, mich zur Antwort auf deine Fragst��ke zu ziehen?
K?nig Philipp. Von diesem obersten Richter, der in k?niglichen Seelen den edlen Gedanken erwekt, gewaltth?tigen und ungerechten Thaten nachzufragen. Dieser Richter hat mich zum Besch��zer dieses Knabens gemacht; unter seinem Schuze klag' ich deine Ungerechtigkeit an, und mit seinem Beystand hoff' ich sie zu bestraffen.
K?nig Johann. Du massest dich eines Ansehens an, das dir nicht zukommt.
K?nig Philipp. Entschuldige es; es geschieht, um ungerechte Anmassung niederzuschlagen.
Elinor. Wer ist der, den du einer unrechtm??igen Anmassung beschuldigest?
Constantia. La?t mich die Antwort geben: Der anma?liche K?nig, dein Sohn.
Elinor. Hinweg, Unversch?mte; dein Bastard soll K?nig seyn, damit du eine K?nigin seyn, und die ganze Welt hofmeistern k?nnest!
Constantia. Mein Bette war deinem Sohn immer so getreu, als das deinige deinem Gemahl; und dieser Knabe sieht seinem Vater Gottfried gleicher als Johann dir, ob ihr gleich an Sitten einander so gleich seyd als der Regen dem Wasser, und der Teufel seiner Mutter. Mein Sohn ein Bastard! Bey meiner Seele, ich glaube nimmermehr, da? sein Vater so ?cht war als er ist; es kann nicht seyn, wenn gleich du seine Mutter w?rest.
Elinor. Das ist eine feine Mutter, Junge, die deinen Vater beschimpft.
Constantia. Das ist eine feine Gro?mutter, Junge, die dich beschimpfen will.
?streich. Stille!
Faulconbridge. Horcht dem Ausruffer.
?streich. Wer Teufel bist du?
Faulconbridge. Einer der den Teufel mit euch spielen will, Herr, sobald er euch und euern ��berzug* allein zu paken kriegen kan. Ihr seyd der Hase im Spr��chwort, der todte L?wen beym Bart zupft; ich will euch das Fell einschmauchen, wenn ich euch kriege; nehmt euch in acht; in der That, ich will, in der That.
{ed.-* Um diese und verschiedne andre in einer der folgenden Scenen vorkommenden Sp?ttereyen und Grobheiten, die Faulconbridge dem Herzog von ?streich sagt, zu verstehen, mu? man wissen, da? dieser Herzog mit einer L?wenhaut umh��llt auf der B��hne erscheinen mu?. K?nig Richard hatte, wie man sagt, w?hrend seinem ber��hmten Kreuzzug, worinn er seine pers?nliche Herzhaftigkeit und St?rke durch eine Menge ritterlicher Thaten bewies, auch einen ausserordentlich grossen L?wen bezwungen, und die Haut desselben, zum Zeichen dieses Siegs, nachher allezeit getragen oder bey sich gef��hrt. Dieser Haut bem?chtigte sich der Herzog von ?streich, nachdem er, wie bekannt ist, den K?nig Richard, durch Hinterlist und Betrug in seine Gewalt bekommen; und soll, aus einer allerdings l?cherlichen Pralerey, selbige, als eine Beute, die er einem so grossen Helden wie Richard abgenommen, nach dessen Tod allezeit getragen haben.}
Blanca. O wie wohl stuhnd dem dieser L?wen-Rok an, der dem L?wen diesen Rok abzog!
Faulconbridge. Er ligt so stattlich auf seinem R��ken, als des grossen Alcides L?wenhaut auf dem R��ken eines Esels; aber, Esel, ich will euch diese Last von euerm R��ken abnehmen, oder euch noch eine auflegen, davon euch die Schultern krachen sollen.
Herzog. Was f��r ein Schw?rmer ist das, der unsre Ohren mit einem solchen ��bermaa? von vergeblichem Athem bet?ubt? K?nig Philipp, entschliesset euch ohne l?ngeres Zaudern, was wir thun wollen.
K?nig Philipp. Weiber und Narren, brecht eure Conferenz ab. K?nig Johann, hier ist mein Vortrag in wenig Worten: England, Irrland, Anjou, Touraine und Maine fordre ich im Namen des jungen Arthurs von dir; willt du sie abtreten, und die Waffen niederlegen?
K?nig Johann. Eher mein Leben--Ich biete dir Troz de?halb, Frankreich. Arthur von Bretagne, begieb dich in meinen Schuz, und ich will dir aus Liebe mehr geben, als der feige Arm von Frankreich jemals f��r dich gewinnen kan. Ergieb dich, Junge.
Elinor. Komm zu deiner Gro?-Mama, Kind.
Constantia (indem sie eine kindische Art zu reden affectirt.) Thu's, Kind, geh zu Gro?-Mama, Kind. Gieb Gro?-Mama K?nigreich, und Gro?-Mama giebt dem Kind ein Zukerchen, eine Kirsche, eine Feige; es ist eine gute Gro?-Mama.
Arthur. Meine liebe Mutter, gebt euch zufrieden. Ich wollt', ich l?ge tief in meinem Grab; ich bin nicht werth, da? man soviel Lerms meinetwegen mache.
Elinor. Seine Mutter besch?mt ihn so, der arme Junge, er weint.
Constantia. Das Unrecht, das ihm seine Gro?mutter zuf��gt, nicht die Schande die ihm seine Mutter macht, zieht diese den Himmel r��hrenden Perlen aus seinen armen Augen, die der Himmel als ein Schuzgeld annehmen wird; ja mit diesen Thr?nen wird sich der Himmel gewinnen lassen, sich seines Rechts anzunehmen, und euch zur Straffe zu ziehen.
Elinor. Ungeheuer, scheuest du dich nicht, Himmel und Erde zu l?stern?
Constantia. Ungeheuer, scheust du dich nicht, Himmel und Erde zu beleidigen? Wie kanst du mich anklagen, da? ich l?stre? Du und die deinigen usurpiren die L?nder, Regalien und Gerechtsame dieses unterdrukten Waysen; es ist der Sohn
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