Fluss?Oder das Gras in der Sonne zu schneiden.
DER LIEBESLAUT
KURTISANE SEGAWA
Da traf ein Laut, ein zarter Liebeslaut,?Der aus dem ersten Stockwerk kam, mein Ohr:?Und das war s��ss und lieblich wie das S?useln?Der Fr��hlingsblumen, die um Mitternacht?Am More-Flusse ihren Duft verstreun.
DIE WEIDE IM WIND
UNBEKANNTER DICHTER
Die Sommerweide?Zeigt ihren schlanken Stamm,?Wenn der wehende Wind?Durch ihre feinen Zweige f?hrt.
Deine schlanken F��sse, meine Weide,?Sah ich heute,?Da der verliebte Wind?Kosend durch deine Kleider fuhr.
NACH DEM BADE
UNBEKANNTER DICHTER
Wenn sie dem Bad entsteigt, so flammt?Ihr sch?nes Antlitz feurig auf,?Dass sie dem roten Ahorn gleicht,?Der herrlich durch den Herbsttag gl?nzt.
BESCHR?NKUNG
AUS DEM BUCHE YEHON CHITOSEYAMA
Ach, eng begrenzt ist der Besitz, den uns?Das Schicksal schenkt. Zuerst geht unsre Sehnsucht?Nach einem ragenden Gebirg. Sodann?Scheint uns ein Berg genug,--dann gar ein H��gel,?Und wird auch der uns nicht zuteil, so sind?Zufrieden wir mit einem Bl��tenbusch.
LEICHTES SPIEL
UNBEKANNTER DICHTER
Nichts leichter, als ein M?dchenherz?Beim milden Duft der Pflaumenbl��ten?Bis in die Tiefen zu bet?ren?Durch Liebessang und Fl?tenspiel!
DIE MORGENGLOCKE
SANDARA
Wenn du, erbarmungslose Morgenglocke,?Den Schmerz der Liebestrennung ahnen w��rdest.?Du w��rdest nicht die wahre Stunde rufen?Beim Morgengrauen,--sondern w��rdest gerne?Bereit sein, l��gnerisch die Zeit zu k��nden.
T?USCHUNG
YORIKITO
Ich glaubte, dass die weissen Bl��ten?Des Fr��hlings mir entgegentrieben.
Ich irrte mich. Es war das Gl?nzen,?Das Liebesgl?nzen deiner Sch?nheit.
GELEITWORT?ANMERKUNGEN?ANORDNUNG
GELEITWORT
Die japanische Lyrik l?sst sich gut mit den japanischen?Tuschzeichnungen vergleichen: sie gibt, gleich jenen, mehr Andeutung als Ausf��hrung, sie will in aller K��rze einen fest umrissenen Eindruck erreichen, sie hat einen vorwiegend impressionistischen Charakter. Wir finden in ihr, gerade wie in den japanischen Zeichnungen, vor allem die Liebe f��r das Zarte und Bl��tenhafte, f��r Fr��hling, Blumen und feinen Duft. Die einzelnen Pers?nlichkeiten treten in dieser lyrischen Kunst nicht stark hervor, im Gegensatz zur chinesischen.
Japan ist das Land der Gelegenheitsdichter. Wir besitzen Gedichte von Kaisern und Kaiserinnen, Hofleuten, Gelehrten und Kurtisanen. Im zehnten Jahrhundert unsrer Zeitrechnung war die Dichtkunst in Japan so verbreitet, dass sich der Kaiser Da?go veranlasst sah, ein?"Ministerium f��r poetische Angelegenheiten", wie wir heute sagen w��rden, einzusetzen. Ein solches Ministerium gibt es jetzt nicht mehr, aber die Freude an der Formung kleiner Gedichte ist in Japan noch heute allgemein.
Seit alters her gibt es f��r das japanische lyrische Gedicht nur eine einzige, streng bewahrte, klassische Form: Tanka oder Uta genannt. Ein solches Tanka besteht immer aus einunddreissig Silben, die sich auf die f��nf Zeilen des Gedichtes folgendermassen verteilen: 5-7-5-7-7.
Das Tanka ist reimlos. Die japanische Sprache ist f��r den Reim nicht geschaffen, denn s?mtliche Worte endigen auf einen der f��nf Vokale a, e, i, o, u. Wollte man also reimen, so m��sste man immer wieder zu den gleichen monotonen Reimen einfacher Vokale greifen, und das w?re auf die Dauer mehr grotesk als sch?n. Nein, die Aufgabe des japanischen Dichters ist es im Gegenteil, die einzelnen Zeilen seines Tanka m?glichst auf verschiedene Vokale endigen zu lassen, um so eine m?glichst grosse Reichhaltigkeit an Kl?ngen zu erzielen.
Die Regeln des Tanka wurden schon 700 Jahre vor unserer Zeitrechnung durch Sosano-Ono-Mikoto, einen Dichter des heroischen Zeitalters, fixiert. Im Jahre 905 nach Christi Geburt wurden sie durch den Dichter Tsurayuki, den ersten Minister der Poesie unter Kaiser Da?go, in der Vorrede zu jener ber��hmten ersten grossen Anthologie, welche sich Manyoshu nennt, befestigt. Diese Regeln wurden nie einer Ver?nderung unterworfen und sind heute genau dieselben wie vor 2600 Jahren. In alten Zeiten pflegte man auch mehrere Utas zu l?ngeren Gedichten zusammenzusetzen (Naga-Uta). Seit dem sechzehnten Jahrhundert beschr?nkte man sich, besonders in Scherzgedichten, nicht selten auf die ersten drei Zeilen eines Uta, um Gedichte von besonders epigrammatischer K��rze zu bilden. Das sind die einzigen Varianten der alten Form,--wenn man von Formvarianten hier ��berhaupt sprechen kann.
Die ausserordentliche K��rze des Uta oder Tanka hat ihre Nachteile. Die Dichter wollen m?glichst viel in einem solchen Kurzgedicht ausdr��cken und werden nicht selten dunkel durch ��bertriebene Kondensierung. Kommentatoren haben alte ber��hmte Tankas immer wieder ausgelegt, und ��ber den Sinn so mancher Gedichte aus klassischer Zeit hat man sich bis heute nicht einig werden k?nnen.
Die Bl��tezeit der japanischen Lyrik liegt weit zur��ck. Die erste klassische Epoche wird repr?sentiert durch die schon erw?hnte grosse Anthologie Manyoshu ("Sammlung der Myriaden Bl?tter"), die vermutlich durch den Sammeleifer des Dichters Yakamochi zusammengebracht und im Jahre 759 abgeschlossen wurde. Sie vereinigt in 20 B��chern 4500 Gedichte; aus der grossen Zahl der in ihr vertretenen Dichter ragen neben Yakamochi vor allem der Elegiker Hitomaro, der Landschafter Akahito und der Realist Okura hervor. Hitomaro gilt in Japan als der gr?sste Dichter der Nation. Man hat ihm Tempel errichtet, und sein Leben, von dem man wenig weiss, ist durch die Legende phantastisch ausgeschm��ckt worden. Es geht das Ger��cht, ein Poet brauche nur Hitomaro anzurufen, um ein gutes Gedicht bilden zu k?nnen.
Die Dichter der bald folgenden zweiten, "goldenen" klassischen Epoche sind uns in einer anderen, 1100 Gedichte umschliessenden Anthologie, im Kokinshu ("Sammlung alter und neuer Gedichte") erhalten, das im Auftrage des Kaisers Da?go durch den Dichter Tsurayuki gesammelt und im Jahre 905 beendet wurde. Hier sind neben dem zarten Tsurayuki besonders der mannhafte Henjo

Continue reading on your phone by scaning this QR Code
Tip: The current page has been bookmarked automatically. If you wish to continue reading later, just open the
Dertz Homepage, and click on the 'continue reading' link at the bottom of the page.