Japanischer Frühling | Page 5

Hans Bethge
in den Tag verrinnt;?Ich aber, recht entflammt erst, w��rde nimmer?Vor Liebesschmerz und Sehnsucht meine Ruhe?Zur��ckgewinnen,--darum qu?lt mich nicht.
HEIMLICHE LIEBE
KANEMORI
Obgleich ich mir die gr?sste M��he gebe,?Mein leidenschaftlich F��hlen zu verbergen,?Ist doch mein Angesicht so sehr verwandelt,?Dass jeder, den ich treffe, mich mit Schrecken?Befragt, welch eine Krankheit in mir w��hle,?Da ich so ganz und gar ver?ndert sei.
BEI BETRACHTUNG DES MONDES
UNBEKANNTE KURTISANE
Sehr weit von dir entfernt, betracht ich mit?Verliebtem Auge den gestirnten Himmel.
O! wenn der Mond sich jetzt in einen Spiegel?Verwandeln w��rde, mir dein Bild zu zeigen!
Doch er bleibt Mond und lacht nur meiner Qual.
UNM?GLICHKEIT
OKI KASSI
Wie k?nnt ich deine wundervolle Sch?nheit,?Die allzu spr?de, die ich ohne Hoffnung?Anbete, aus dem wirren Sinn mir reissen,?Da sie mir jede Nacht im Traum erscheint,?Um mir zu sagen, dass ich hoffen solle!
SCHWERMUT
TERANGE
Ich armer Tropf! Ein anderer besitzt?Das Herz des sch?nen M?dchens, das ich liebe.
Mir kommt die Trauerweide in den Sinn?Am Rande meines Gartens. Mir geh?rt.
Die Weide zwar, doch ihre Zweige schm��cken?Des Nachbars Garten und den meinen nicht.
VERZWEIFLUNG
SIGEYUKI
So wie die Woge?Im Sturmwind?Am felsigen Ufer zerbricht,--?So zerschellt meine Liebe?An deines Hochmuts?Trotzigen Felsen,?Kalte Geliebte.
DIE VERLASSENE
UNBEKANNTE DICHTERIN
Freund, ahnst du nicht,?Wie unendlich traurig und lang?Die Nacht ist, vom Abend her?Bis zur schimmernden Morgenr?te,?Wenn ich einsam, einsam, einsam?Seufzend daliege?Auf meiner tr?nenbefeuchteten?Binsenmatte?
Ahnst du das nicht?
NOCH EINMAL
FRAU IZUMI SHIKIBU
Noch einmal lass mich, o Geliebter,?Bevor ich diese Welt verlasse,?Dein liebes Antlitz wiedersehen,?Dass ich es tief in meine Seele?Einpr?ge und es mit mir nehme?Ins dunkle Land der Ewigkeit.
DIESELBE NACHT
FRAU INNO BETTO
Wie kommt es,?Dass ein und dieselbe durchwachte Nacht?Deinem Herzen die Ruhe gab.?W?hrend sie mich?F��r den Rest meines Lebens?Mit ganz wahnsinniger?Liebe erf��llt hat?
ERREGUNG
FRAU HORIKAWA
O Gott, ob er mir treu bleibt? Himmel! Himmel!?Ich weiss es nicht; ich weiss nur, dass mein Hirn,?Seitdem das Morgenrot ihn von mir riss,?So ganz verwirrt ist wie mein dunkles Haar,?Das seine Wildheit mir so wirr gemacht.
JAMMER DER ERDE
FUJIWARA NO TOSHINARI
Auf dieser Erde ward kein Weg gebahnt,?Dem Kummer und dem Elend zu entfliehn.
Selbst wenn ich in die tiefen Berge streife,?Wohin mich eine alte Sehnsucht zieht,?T?nt das Geschrei der abendlichen Hirsche?Wehklagend melancholisch an mein Ohr.
GEDANKEN
SAIGYO
So wie der Rauch des Fuji-Yama blass?Und ziellos in die windigen L��fte steigt.?Um dann zu sterben an dem weiten Himmel:?So steigen die Gedanken, die ich hege,?Ziellos und zwecklos und auf fl��chtigen Pfaden?Ins Blau hinein und schwinden spurlos hin.
SCHWERMUT
SAIGYO
Und wer in seinem Herzen noch so sehr?Verh?rtet ist: ein Weh durchschauert ihn,?Und Schwermut senkt sich tief in sein Gem��t,?Wenn er zur D?mmrung aus den sumpfigen Wiesen?Die Schnepfen in den Abend steigen sieht.
VOM MOND
SAIGYO
Vom Mond soll ich in Versen zu euch reden??O zwecklos. Denn wer k?nnte das begreifen,?Was mich erf��llt, was mich im Innersten?Bewegt und in mir aufbl��ht tief und dunkel.?Wenn sich mein Herz in unruhvollen N?chten?Zu dir emporhebt, o geliebter Mond?
ABSCHIED VON DEN BL��TEN
SAIGYO
So innig hab ich mit den holden Bl��ten?Des Fr��hlings mich befreundet, dass mir scheint,?Wir seien eins geworden, sie und ich.?Da sie nun welken, von der Zeit bezwungen.?Und traurig hingehn, mich alleine lassend.?F��llt sich mein Herz mit namenlosem Jammer,?Und schluchzend nehm ich Abschied, fassungslos.
BL��TEN
SAIGYO
Wie kommt es, dass die Bl��ten nimmermehr?Aufh?ren, meine Seele zu entz��cken??Ich habe l?ngst mich von der ganzen Welt?Zur��ckgezogen; alles ist mir gleich.--?Wie aber kommt es, dass ich ganz begl��ckt?Beim Anblick einer sch?nen Bl��te bin?
DAS ALTER
KIUTSUNE
Einst lagen volle Blumen, wie der Schnee so weiss.?Auf meinem schwarzen Haar; sie leuchteten?Und waren k?stlich, doch der Sturm hat sie verweht.
Die weissen Bl��ten, die das Haupt mir heute zieren,?Sind nicht von jenen, die der Wind verweht.?Des Alters Blumen sind erbl��ht in meinem Haar.
STEUERLOS
SONE NO YOSHITAKA
So wie der Schiffer, der sein Steuerruder?Verlor auf wilder See, nun der Gewalt?Der Elemente preisgegeben hintreibt:?So f��hl ich meine Liebe steuerlos?Hintreiben auf dem Meere des Gef��hls.
AN DIE KIRSCHENBL��TEN
SAKINO DAISOJO GYOSON
Duftige Kirschenbl��ten! Liebliche?Mitwisser meiner Qual! Zeigt doch ein wenig?Mitleid mit diesem Herzen,--denn nur ihr?Kennt ja mein grosses Weh; den andern allen?Muss ichs verschweigen, dass ich elend bin.
AN DIE WILDG?NSE
PRINZ MUNENAGA
Eilt nicht so sehr, Wildg?nse dort am Himmel,?In eure alte Heimat heimzukehren,--?Wisst ihr denn nicht, dass eurer Heimat Berge?Euch l?ngst vergassen, da ihr ferne wart?
LIEBESBRIEF
UNBEKANNTE DICHTERIN
Gross ist mein Wunsch, dein Angesicht zu schauen.?Und gross ist meine Lust, mit dir zu plaudern,--?Doch muss ich solcher Freuden mich enthalten.
Denn wenn durch Zufall einer von den Meinen?Oder auch einer von den Nachbarn nur?Erf��hre, dass wir beieinander waren,
Ich w��rde Qualen leiden wegen des?Geschw?tzes, das man f��hrte. Dass mein Ruf,?Mein guter Ruf verloren ginge, war.
Mir v?llig gleich. Doch w��rd ich trostlos sein,?Wenn des verlornen guten Rufes wegen?Du weniger mich liebtest als zuvor.
VERGEBENES WARTEN?AUS DEM SINGSPIEL MIIDERA
Ich harre meiner Liebsten in der Nacht.?Ich h?re, wie die Glocke Stund um Stunde?Ins Dunkel ruft. Abscheulich ist f��rwahr?Der Schrei des Hahns, wenn er die Liebenden,?Die sich umarmen, auseinanderreisst.?Doch er bedeutet nichts, verglichen mit?Der f��rchterlichen Qual, da man umsonst?Mit wilder Sehnsucht auf die Liebste harrt!
UM MIT DIR ZU LEBEN
VOLKSLIED
Um mit dir zu leben, die ich liebe,?W?re es mir recht,?In ?rmlicher H��tte zu hausen,?Mich am Webstuhl zu m��hen?Oder am Spinnrad.
Um mit dir zu leben, die ich liebe.?W?re es mir recht,?Die W?sche zu waschen?Im fliessenden
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