seinen Fall erwarten. Daher sein zweideutiger, unentschiedener Charakter, der zwischen Sympathie f��r das, was auf der H?he steht, und Ha? gegen diejenigen, die nun oben sind, hin- und herschwankt. Er ist, wie er selbst sagt, Aristokrat, hat die Geheimnisse der guten Gesellschaft gelernt, ist gewandt im Benehmen, aber bisweilen roh, tr?gt bereits mit Eleganz den ��berrock, ohne jedoch eine Garantie zu bieten, da? er rein auf dem K?rper ist.
Er hat Respekt vor dem Fr?ulein, aber Angst vor Christine, da sie seine gef?hrlichen Geheimnisse kennt; er ist gef��hllos genug, nicht die Ereignisse der Nacht st?rend in seine Zukunftspl?ne eingreifen zu lassen. Mit der Rohheit des Knechtes und dem Mangel an Weichherzigkeit des Herrschers kann er Blut sehen, ohne zu erblassen, ein Mi?geschick auf den R��cken nehmen und es aus dem Wege schleudern; darum geht er auch unverwundet aus dem Kampfe hervor und endet wahrscheinlich als Hotelwirt, und wenn er nicht rum?nischer Graf wird, so wird sein Sohn wahrscheinlich Student und m?glicherweise Kronvogt.
Es sind ��brigens recht wichtige Aufkl?rungen, die er ��ber die Lebensauffassung der unteren Klassen giebt, wenn er n?mlich die Wahrheit spricht, was nicht oft der Fall ist, denn er spricht mehr, was f��r ihn vorteilhaft, als was wahr ist. Wenn Fr?ulein Julie die Vermutung aufwirft, da? alle in den unteren Klassen den Druck von oben so schwer empfinden, so stimmt Jean nat��rlich bei, da es ja seine Absicht ist, ihre Sympathie zu gewinnen, aber er korrigiert sofort seine ?u?erung, wenn er es f��r vorteilhafter h?lt, sich von der Masse zu scheiden.
Au?erdem da? Jean ein Steigender ist, steht er auch darin ��ber dem Fr?ulein, da? er ein Mann ist. Geschlechtlich ist er Aristokrat durch seine m?nnliche St?rke, seine feiner entwickelten Sinne und seine F?higkeit zur Initiative. Seine Unterlegenheit besteht zun?chst in dem zuf?lligen socialen Milieu, in welchem er lebt, und welches er wahrscheinlich mit dem Bedientenrock ablegen kann.
Der Knechtssinn ?u?ert sich in seiner Hochachtung f��r den Grafen (die Stiefeln) und seinem religi?sen Aberglauben; aber er achtet den Grafen vornehmlich als den Inhaber des h?heren Platzes, nach welchem er strebt; und diese Achtung bleibt sogar noch zur��ck, wenn er die Tochter des Hauses erobert hat und gesehen, wie leer die sch?ne Schale war.
Da? ein Liebesverh?ltnis in ?h?herem? Sinne zwischen zwei Seelen von so ungleichem Gehalt entstehen k?nnte, glaube ich nicht, und darum lasse ich Fr?ulein Juliens Liebe von ihr selbst als Entschuldigung oder Verteidigung erdichten; und Jean lasse ich vermuten, da? seine Liebe noch unter andern socialen Verh?ltnissen w��rde hervorwachsen k?nnen. Ich denke, es ist mit der Liebe wohl wie mit der Hyacinthe, welche im Dunkeln Wurzel schlagen soll, bevor sie eine kr?ftige Bl��te treiben kann. Hier schie?t sie empor und setzt Bl��ten an, und darum erstirbt das Gew?chs so schnell.
Christine endlich ist ein weiblicher Knecht, voll Unselbst?ndigkeit und Stumpfsinn, den sie am Herdfeuer erworben, vollgepropft mit Moral und Religion als Deckmantel und S��ndenbock. Sie geht zur Kirche, um leicht und schnell ihre Hausdiebst?hle auf Jesus abzuw?lzen und eine neue Ladung S��ndenvergebung einzunehmen. ��brigens ist sie eine Nebenperson und darum absichtlich nur skizziert, wie ich es mit dem Pfarrer und Doktor im ?Vater? gemacht habe, da ich sie gerade als Alltagsmenschen haben wollte, wie Landpfarrer und Provinzial?rzte es meist zu sein pflegen. Und da? diese meine Nebenfiguren etwas abstrakt erscheinen, beruht darauf, da? die Alltagsmenschen in gewissem Sinne in Aus��bung ihres Berufes abstrakt, das hei?t unselbst?ndig sind; sie zeigen bei der Verrichtung ihres Berufes nur eine Seite, und solange der Zuschauer nicht das Bed��rfnis empfindet sie von mehreren Seiten zu sehen, ist meine abstrakte Schilderung ziemlich richtig.
Was schlie?lich den Dialog anbetrifft, so habe ich mit der Tradition insofern ein wenig gebrochen, als ich meine Personen nicht zu Katecheten gemacht habe, welche sitzen und dumme Fragen stellen, um eine prompte Replik hervorzurufen. Ich habe das Symmetrische, das Mathematische in dem franz?sisch konstruierten Dialog vermieden und die Gehirne ungehindert arbeiten lassen, wie sie es in der Wirklichkeit thun, wo in einem Gespr?ch das Thema ja nicht v?llig ersch?pft wird, sondern das eine Gehirn von dem andern gleichsam aufs Geratewohl einen Radzahn empf?ngt, in welchen es eingreifen kann. Und darum wogt der Dialog auch hin und her, versieht sich in den ersten Scenen mit einem Material, welches sp?ter bearbeitet, wiederaufgenommen, repetiert, entwickelt und wiederaufgelegt wird, gleich dem Thema in einer musikalischen Komposition.
Die Handlung ist reich genug, und da sie eigentlich nur zwei Personen angeht, habe ich mich auf sie beschr?nkt, und nur eine Nebenperson eingef��hrt, die K?chin, und den ungl��cklichen Geist des Vaters ��ber und hinter dem Ganzen schweben lassen. Dieses Letztere habe ich gethan, da ich zu bemerken geglaubt habe, da? f��r Menschen der neueren Zeit die psychologische Entwicklung das ist, was sie am meisten interessiert, und unsere wi?begierigen Seelen sich nicht damit begn��gen, etwas vor sich gehen zu sehen, ohne zu erfahren, wie es zugeht! Wir wollen gerade die F?den, die Maschinerie sehen,

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