schlimmer ist, sein Gebrechen ist gerade ?u?erst vorteilhaft f��r seine Tochter und seinen Schwiegersohn, welche ihn beerben und ihn daher nicht tadeln d��rfen, wenn sie auch ein wenig warten m��ssen, bis sie sich kriegen. Daher glaube ich nicht an einfache Theatercharaktere. Und gegen das summarische Urteil der Verfasser ��ber die Menschen: der ist dumm, der ist brutal, der ist eifers��chtig, der ist geizig u.s.w. sollte von den Naturalisten Einspruch erhoben werden, welche wissen, wie reich der Seelenkomplex ist, und welche verstehen, da? das Laster eine R��ckseite hat, welche sehr stark der Tugend ?hnelt.
Als moderne Charaktere, die in einer ��bergangszeit leben, welche mehr eilig hysterisch als zum mindesten die vorhergehende ist, habe ich meine Figuren schwankender, zerrissener, von Altem und Neuem zusammengesetzter geschildert, und es scheint mir nicht unwahrscheinlich, da? moderne Ideen durch die Zeitungen und Gespr?che auch in die Gesellschaftsschichten hinabgedrungen sein k?nnen, in denen selbst ein Dienstbote sich bewegt.
Meine Seelen (Charaktere) sind Konglomerate von vergangenen Kulturgraden und Brocken der angehenden Zeit, welche aus B��chern und Zeitungen entlehnt wurden, St��cke von Menschen, abgerissene Fetzen von Feiertagskleidern, welche zu Lumpen geworden sind, ganz wie die Seele zusammengeflickt ist. Und ich habe au?erdem ein wenig Entwicklungsgeschichte gegeben, indem ich den Schw?cheren stehlen und Worte wiederholen lasse von dem St?rkeren, die Seelen ?Ideen?, Suggestionen, wie es genannt wird, voneinander holen lasse.
Fr?ulein Julie ist ein moderner Charakter, nicht als wenn es das Halbweib, die M?nnerhasserin, nicht zu allen Zeiten sollte gegeben haben, sondern darum, weil es jetzt entdeckt, hervorgetreten ist und L?rm gemacht hat. Das Halbweib ist ein Typus, welcher sich hervordr?ngt, sich jetzt f��r Macht, Ansehn, Auszeichnungen und Diplome, sowie fr��her f��r Geld verkauft und die Entartung andeutet. Es ist keine gute Art, denn sie ist nicht lebensf?hig, pflanzt sich aber leider mit all' ihrem Elend noch ein Glied fort, und entartete M?nner scheinen unbewu?t die Auswahl unter ihnen zu treffen, soda? sie sich vermehren und Wesen unbestimmten Geschlechtes hervorbringen, welchen das Leben eine Qual ist, die aber gl��cklicherweise zu Grunde gehen, entweder in Disharmonie mit der Wirklichkeit oder infolge unaufhaltsamen Hervorbrechens des unterdr��ckten Triebes, oder der get?uschten Hoffnungen den Mann nicht erlangen zu k?nnen. Der Typus ist tragisch, da er das Schauspiel eines verzweifelten Kampfes gegen die Natur darbietet, tragisch als ein romantisches Erbe, welches nun von dem Naturalismus zerstreut wird, der nur das Gl��ck will, und zum Gl��cke geh?ren starke und lebensf?hige Arten.
Aber Fr?ulein Julie ist auch ein ��berbleibsel des alten Kriegeradels, welcher jetzt vor dem neuen Nerven- oder Gro?gehirn-Adel untergeht; ein Opfer der Disharmonie, welche der Mutter ?Schuld? in eine Familie hineinbringt, ein Opfer der Verirrungen der Zeit, der Umst?nde und ihrer eigenen schw?chlichen Konstitution, was alles zusammen soviel bedeutet, als: das Schicksal fr��herer Zeiten oder die Weltordnung. Die Schuld hat der Naturalist mit Gott zusammen ausgestrichen, aber die Folgen der That, die Strafe, Haftbarkeit oder die Furcht davor, kann nicht gestrichen werden, aus dem einfachen Grunde, weil sie bestehen bleiben, ob er nun freispricht oder nicht, denn die Leute, denen Unrecht geschehen, sind nicht so wohlwollend gestimmt, wie diejenigen, denen keins widerfahren, es billig sein k?nnen. Selbst wenn der Vater aus zwingenden Gr��nden auf die Strafe verzichten sollte, w��rde die Tochter sie an sich selbst vollziehen m��ssen, wie sie es hier thut, infolge des angeborenen oder erworbenen Ehrgef��hls, welches die h?heren Klassen ererben -- von wo? Von der Barbarei, von der asiatischen Urheimat, von dem Rittertum des Mittelalters? -- und welches sehr sch?n ist, jetzt aber unvorteilheit f��r das Bestehen der Art. Es ist des Edelmannes ?Harakiri?, des Japanesen Gewissensgesetz, welches ihm gebietet sich den Leib aufzuschlitzen, wenn ein anderer ihn beschimpft, welches in modifizierter Form im Duell, dem Adelsprivilegium, weiterlebt. Darum bleibt der Bediente Jean am Leben, aber Fr?ulein Julie kann nicht leben ohne Ehre. Das ist der Vorzug des Knechtes vor dem Herrn, da? er frei ist von diesem lebensgef?hrlichen Vorurteil betreffs der Ehre; und in uns alten Ariern existiert etwas vom Edelmann oder Don Quijote, was bewirkt, da? wir mit dem Selbstm?rder sympathisieren, welcher eine ehrlose Handlung begangen und so seine Ehre verloren hat, und wir sind genug Edelleute, um Schmerz zu empfinden, wenn wir eine gefallene Gr??e daliegen sehen, selbst wenn der Gefallene sich erheben k?nnte, und suchen es durch ehrenvolle Handlungen wiedergutzumachen. Der Diener Jean ist ein Artbilder, einer, bei welchem sich die Differenzierung bemerkbar macht. Er ist ein K?tners Sohn und hat sich nun zu einem werdenden Herrn ausgebildet. Es ist ihm leicht geworden zu lernen, da er fein entwickelte Sinne hatte (Geruch, Geschmack, Gesicht) und Sch?nheitssinn. Er hat sich bereits emporgeschwungen und ist stark genug, es sich nicht ��bel zu nehmen, aus den Diensten anderer Menschen Vorteile zu ziehen. Er ist seiner Umgebung bereits fremd, welche er als zur��ckgelegtes Stadium verachtet und dennoch f��rchtet und flieht, da sie seine Geheimnisse kennen, seine Absichten aussp��ren, voll Neid sein Steigen sehen und mit Vergn��gen

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