da das Gl��ck nur in dem Vergleich liegt. Und den Programmenschen, welcher dem peinlichen Umstande, da? der Raubvogel die Taube fri?t und die Laus wieder den Raubvogel, will ich fragen: warum soll dem abgeholfen werden? Das Leben ist nicht so mathematisch-idiotisch, da? nur die Gro?en die Kleinen auffressen, sondern es kommt oft vor, da? die Biene den L?wen t?tet oder ihn zum wenigsten toll macht.
Da? mein Trauerspiel einen traurigen Eindruck auf viele macht, ist also der Fehler dieser. Wenn wir stark werden, wie die ersten franz?sischen Revolutionsm?nner, wird es unbedingt einen guten und frohen Eindruck machen, der Ausrottung eines Parkes von morschen, ��berj?hrigen B?umen zuzusehen, welche anderen zu lange im Wege standen, die ebenfalls das gleiche Recht hatten, ihre Zeit zu vegetieren -- einen guten Eindruck, gleich wie wenn man einen unheilbar Kranken sieht, der endlich sterben kann.
Man warf k��rzlich meinem Trauerspiel ?Der Vater?[A] vor, es w?re so traurig, gleich als wenn man ein lustiges Trauerspiel forderte. Man ruft anspruchsvoll nach der Lebensfreude, und die Theaterdirektoren fordern Farcen, gleich als wenn die Lebensfreude darin l?ge, albern zu sein und Menschen zu zeichnen, welche allesamt am Veitstanz oder Idiotismus litten. Ich finde die Lebensfreude in den starken, grausigen K?mpfen des Lebens, und es bereitet mir Genu?, etwas erfahren, etwas lernen zu k?nnen. Und darum habe ich einen ungew?hnlichen, aber lehrreichen Fall gew?hlt, mit einem Wort eine Ausnahme, aber eine gro?e Ausnahme, welche die Regel bekr?ftigt, was sicherlich diejenigen, die das Allt?gliche lieben, verletzen wird. Was ferner bei einzelnen Ansto? erregen wird, ist, da? meine Motivierung der Handlung nicht einfach ist, und es nicht nur einen Gesichtspunkt daf��r giebt. Ein Ereignis im Leben -- und das ist eine ziemlich neue Entdeckung -- wird gew?hnlich von einer ganzen Reihe mehr oder minder tiefliegender Motive hervorgerufen, aber der Zuschauer w?hlt meistens dasjenige, welches seiner Urteilskraft das am leichtesten fa?liche oder f��r seine Urteilsgabe das ehrenvollste ist. Es ist z.B. ein Selbstmord begangen worden. ?Schlechte Gesch?fte!? sagt der B��rger. -- ?Ungl��ckliche Liebe!? sagen die Frauenzimmer. -- ?Krankheit!? der Kranke. -- ?Get?uschte Hoffnungen!? der Schiffbr��chige. Aber nun kann es vorkommen, da? das Motiv hier ��berall oder nirgend zu suchen war, und da? der Verstorbene das Grundmotiv dadurch verbarg, da? er ein ganz anderes vorschob, welches das vorteilhafteste Licht ��ber sein Ged?chtnis werfen k?nnte!
[Anmerkung A: Deutsche Ausgabe von E. Brausewetter, Universal-Bibliothek Nr. 2489.]
Fr?ulein Juliens trauriges Schicksal habe ich durch eine ganze Menge von Umst?nden motiviert: die Grundinstinkte der Mutter; die falsche Erziehung des M?dchens durch den Vater; das eigene Naturell und die Suggestionen des Br?utigams auf das schwache degenerierte Hirn; sodann auch momentane: die Feststimmung der Johannisnacht; die Abwesenheit des Vaters; die Besch?ftigung mit dem Tiere; der aufregende Einflu? des Tanzes; die D?mmerung der Nacht; die starke, berauschende Wirkung der Blumen; und schlie?lich der Zufall, welcher die beiden in einen geheimen Raum zusammentreibt, sowie die aufregende Zudringlichkeit des Mannes.
Ich bin also nicht einseitig physiologisch verfahren, auch nicht monoman psychologisch, ich habe die Schuld nicht nur der Vererbung von der Mutter oder ausschlie?lich der ?Unsittlichkeit? aufgeb��rdet, noch blo? Moral gepredigt.
Dieser Mannigfaltigkeit der Motive will ich mich r��hmen, da sie mit der Forderung der Zeit ��bereinstimmt! Und haben es andere schon vor mir so gemacht, so r��hme ich mich mit meinen Paradoxen, wie alle Entdeckungen genannt werden, nicht allein zu stehen.
Was die Charakterzeichnung anbetrifft, so habe ich die Figuren ziemlich ?charakterlos? gezeichnet und zwar aus folgenden Gr��nden:
Das Wort Charakter hat im Lauf der Zeiten eine mehrfache Bedeutung bekommen. Es bedeutete wohl urspr��nglich den herrschenden Grundzug im Seelenkomplex und wurde mit Temperament verwechselt. Dann wurde es der Ausdruck der Mittelklasse f��r den Automaten; soda? ein Individuum, welches ein f��r allemal bei seinem Naturell stehen geblieben ist oder sich einer gewissen Rolle im Leben angepa?t hat, welches also mit einem Wort gesagt, aufgeh?rt hat zu wachsen, ein Charakter genannt wurde, und der in der Entwickelung Befindliche, der geschickte Schiffer auf dem Strome des Lebens, welcher nicht mit fester Schote segelt, sondern den Kahn vor dem Windsto? fallen l??t, um ihn hernach wieder aufzuluven, wurde charakterlos genannt. Im herabsetzenden Sinne nat��rlich, da er ja so schwer einzufangen, einzuregistrieren und zu kontrollieren war. Dieser b��rgerliche Begriff von der Unver?nderlichkeit der Seele wurde dann auf das Theater ��bertragen, wo ja das B��rgerliche immer geherrscht hat. Ein Charakter war dort ein Herr, welcher fix und fertig war, welcher unver?nderlich als Betrunkener, als Spa?macher, als Betr��bter auftrat; und um zu charakterisieren bedurfte es nur, dem K?rper ein Gebrechen anzudichten, einen Klumpfu?, ein h?lzernes Bein, eine rote Nase, oder da? man den Betreffenden einen Ausruf gebrauchen lie? wie diesen: ?das war galant?, ?Barkis will gern? oder dergleichen. Bei dieser Art und Weise, die Menschen so einseitig aufzufassen, bleibt noch sogar der gro?e Moli��re stehen. Harpagon ist nur geizig, obgleich Harpagon h?tte geizig und zugleich ein ausgezeichneter Finanzier, ein pr?chtiger Vater, ein guter B��rger sein k?nnen, und was

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