Fabeln und Erzählungen | Page 4

Gotthold Ephraim Lessing
Schade sein",?Fiel jeder Ratsherr ihm ins Wort.?"H?rt", schrieen sie, "erz?hlt nur fort!"?Weil jeder Ratsherr in Gefahr,?Sein eigen Weib zu h?ren war.?"Ihr Herren", schrie der Richter, "nein!?Die Wahrheit mu? am Tage sein;?Was k?nnen wir sonst f��r ein Urteil fassen?"?"Ihn", schrieen alle, "gehn zu lassen."?"Nein, die Gerechtigkeit"--und kurz der Delinquent?Hat jede noch einmal genennt,?Und jeder hing der Richter dann?Ein loses Wort f��r ihren Hahnrei an.?Das Hundert war schon mehr als voll;?Der Eremit, der mehr gestehen soll,?Stockt, weigert sich, scheut sich zu sprechen--?"Nu, nu, nur fort! was zwingt Euch wohl,?So unvermutet abzubrechen?"?"Das sind sie alle!" "Seid Ihr toll??Ein Held wie Ihr! Gestehet nur, gesteht!?Die letzten waren, wie Ihr seht:?Klara, Pulcheria, Susanne,?Charlotte, Mariane, Hanne.?Denkt nach! ich la? Euch Zeit dazu!"?"Das sind sie wirklich alle!" "Nu--?Macht, eh wir sch?rfer in Euch dringen!"?"Nein keine mehr; ich wei? genau_--?"Ha! ha! ich seh, man soll Euch zwingen"--?"Nun gut, Herr Richter,--Seine Frau"--
*?Da? man von der Erz?hlung nicht?Als einem Weiberm?rchen spricht,?So mach ich sie zum Lehrgedicht,?Durch beigef��gten Unterricht:?Wer seines N?chsten Schande sucht,?Wird selber seine Schande finden!?Nicht wahr, so liest man mich mit Frucht??Und ich erz?hle sonder S��nden?
Der Hirsch und der Fuchs
"Hirsch, wahrlich, das begreif ich nicht",?H?rt ich den Fuchs zum Hirsche sagen,?"Wie dir der Mut so sehr gebricht??Der kleinste Windhund kann dich jagen.?Besieh dich doch, wie gro? du bist!?Und sollt es dir an St?rke fehlen??Den gr??ten Hund, so stark er ist,?Kann dein Geweih mit einem Sto? entseelen.?Uns F��chsen mu? man wohl die Schwachheit ��bersehn;?Wir sind zu schwach zum widerstehn.?Doch da? ein Hirsch nicht weichen mu?,?Ist sonnenklar. H?r meinen Schlu?.?Ist jemand st?rker, als sein Feind,?Der braucht sich nicht vor ihm zur��ckzuziehen;?Du bist den Hunden nun weit ��berlegen, Freund:?Und folglich darfst du niemals fliehen."?"Gewi?, ich hab es nie so reiflich ��berlegt.?Von nun an", sprach der Hirsch, "sieht man mich unbewegt,?Wenn Hund' und J?ger auf mich fallen;?Nun widersteh ich allen."
Zum Ungl��ck, da? Dianens Schar?So nah mit ihren Hunden war.?Sie bellen, und sobald der Wald?Von ihrem Bellen widerschallt,?Fliehn schnell der schwache Fuchs und starke Hirsch davon.
*?Natur tut allzeit mehr, als Demonstration.
Der L?we und die M��cke
Ein junger Held vom muntern Heere,?Das nur der Sonnenschein belebt,?Und das mit saugendem Gewehre?Nach Ruhm gestochner Beulen strebt,?Doch die man noch zum gro?en Gl��cke?Durch zwei Paar Str��mpfe hindern kann,?Der junge Held war eine M��cke.?H?rt meines Helden Taten an!?Auf ihren Kreuz- und Ritterz��gen?Fand sie, entfernt von ihrer Schar,?Im Schlummer einen L?wen liegen,?Der von der Jagd entkr?ftet war.?Seht, Schwestern, dort den L?wen schlafen,?Schrie sie die Schwestern gaukelnd an.?Jetzt will ich hin, und will ihn strafen.?Er soll mir bluten, der Tyrann!
Sie eilt, und mit verwegnem Sprunge?Setzt sie sich auf des K?nigs Schwanz.?Sie sticht, und flieht mit schnellem Schwunge,?Stolz auf den sauern Lorbeerkranz.?Der L?we will sich nicht bewegen??Wie? ist er tot? Das hei? ich Wut!?Zu m?rdrisch war der M��cke Degen:?Doch sagt, ob er nicht Wunder tut?
"Ich bin es, die den Wald befreiet,?Wo seine Mordsucht sonst getobt.?Seht, Schwestern, den der Tiger scheuet,?Der stirbt! Mein Stachel sei gelobt!"?Die Schwestern jauchzen, voll Vergn��gen,?Um ihre laute Siegerin.?Wie? L?wen, L?wen zu besiegen!?Wie, Schwester, kam dir das in Sinn?
"Ja, Schwestern, wagen mu? man! wagen!?Ich h?tt es selber nicht gedacht.?Auf! lasset uns mehr Feinde schlagen.?Der Anfang ist zu sch?n gemacht."?Doch unter diesen Siegesliedern,?Da jede von Triumphen sprach,?Erwacht der matte L?we wieder,?Und eilt erquickt dem Raube nach.
Der Sperling und die Feldmaus
Zur Feldmaus sprach ein Spatz: Sieh dort den Adler sitzen!?Sieh, weil du ihn noch siehst! er wiegt den K?rper schon;?Bereit zum k��hnen Flug, bekannt mit Sonn und Blitzen,?Zielt er nach Jovis Thron.?Doch wette,--seh ich schon nicht adlerm??ig aus--?Ich flieg ihm gleich.--Fleug, Prahler, rief die Maus.?Indes flog jener auf, k��hn auf gepr��fte Schwingen;?Und dieser wagts, ihm nachzudringen.?Doch kaum, da? ihr ungleicher Flug?Sie beide bis zur H?h gemeiner B?ume trug,?Als beide sich dem Blick der bl?den Maus entzogen,?Und beide, wie sie schlo?, gleich unerme?lich flogen.
*?Ein unbiegsamer F* will k��hn wie Milton singen.?Nach dem er Richter w?hlt, nach dem wirds ihm gelingen.
Der Tanzb?r
Ein Tanzb?r war der Kett entrissen,?Kam wieder in den Wald zur��ck,?Und tanzte seiner Schar ein Meisterst��ck?Auf den gewohnten Hinterf��?en.?"Seht", schrie er, "das ist Kunst; das lernt man in der Welt. Tut mir es nach, wenns euch gef?llt,?Und wenn ihr k?nnt!" "Geh", brummt ein alter B?r,?"Dergleichen Kunst, sie sei so schwer,?Sie sei so rar sie sei!?Zeigt deinen niedern Geist und deine Sklaverei."
*?Ein gro?er Hofmann sein,?Ein Mann, dem Schmeichelei und List?Statt Witz und Tugend ist;?Der durch Kabalen steigt, des F��rsten Gunst erstiehlt,?Mit Wort und Schwur als Komplimenten spielt,?Ein solcher Mann, ein gro?er Hofmann sein,?Schlie?t das Lob oder Tadel ein?
Der ��ber uns
Hans Steffen stieg bei D?mmerung (und kaum?Konnt er vor N?schigkeit die D?mmerung erwarten)?In seines Edelmannes Garten?Und pl��nderte den besten ?pfelbaum.?Johann und Hanne konnten kaum?Vor Liebesglut die D?mmerung erwarten,?Und schlichen sich in eben diesen Garten,?Von ungef?hr an eben diesen ?pfelbaum.
Hans Steffen, der im Winkel oben sa??Und flei?ig brach und a?,?Ward m?uschenstill, vor Wartung b?ser Dinge,?Da? seine N?scherei ihm diesmal schlecht gelinge.?Doch bald vernahm er unten Dinge,?Wor��ber er der Furcht verga??Und immer sachte weiter a?.
Johann warf Hannen
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