Fabeln und Erzählungen | Page 3

Gotthold Ephraim Lessing
Gerichte!?Ein br?unlich m?nnliches Gesichte,?Nicht allzu klein, nicht allzu gro?,?Das sich im dichten Barte schlo?;?Die Blicke wild, doch sonder Anmut nicht;?Die Nase lang, wie man die Kaisernasen dichtt.?Das ungebundne Haar flo? straubicht um das Haupt;?Und wesentlichre Sch?nheitsst��cke?Hat der zerri?ne Rock dem Blicke?Nicht ganz entdeckt, nicht ganz geraubt.?Der Waden nur noch zu gedenken:?Sie waren gro?, und hart wie Stein.?Das sollen, wie man sagt, nicht schlimme Zeichen sein;?Allein den Grund wird man mir schenken.
Nun wahrlich, so ein Kerl kann Weiber l��stern machen.?Ich sag es nicht f��r mich; es sind geschehne Sachen.?"Geschehne Sachen? was??So ist man gar zur Tat gekommen?"?Mein lieber Simplex, fragt sich das??Weswegen h?tt er denn die Predigt unternommen??Die s��?e Lehre s��?er Triebe??Die Liebe heischet Gegenliebe,?Und wer ihr Priester ist, verdienet keinen Ha?.
O Andacht, mu?t du doch so manche S��nde decken!?Zwar die Moral ist hier zu scharf,?Weil mancher Mensch sich nicht bespiegeln darf,?Aus Furcht, er m?chte vor sich selbst erschrecken.?Drum will ich nur mit meinen Lehren?Ganz still nach Hause wieder kehren.?K?mmt mir einmal der Einfall ein,?Und ein Verleger will f��r mich so gn?dig sein,?Mich in gro? Quart in Druck zu nehmen;?So k?nnt ich mich vielleicht bequemen,?Mit hundert englischen Moralen,?Die ich im Laden sah, zu prahlen,?Exempelsch?tze, Sittenrichter,?Die alten und die neuen Dichter?Mit witzgen Fingern nachzuschlagen,?Und was die sagen, und nicht sagen,?In einer Note abzuschreiben.?Bringt, sag ich noch einmal, man mich gedruckt an Tag;?Denn in der Handschrift la? ichs bleiben,?Weil ich mich nicht bel��gen mag.
Ich fahr in der Erz?hlung fort--?Doch m?cht ich in der Tat gestehn,?Ich h?tte manchmal m?gen sehn,?Was die und die, die an den Wallfahrtsort?Mit heiligen Gedanken kam,?F��r fremde Mienen an sich nahm,?Wenn der verwegne Eremit,?Fein listig, Schritt vor Schritt,?Vom Geist aufs Fleisch zu reden kam.?Ich zweifle nicht, da? die verletzte Scham?Den Zorn nicht ins Gesicht getrieben,?Da? Mund und Hand nicht in Bewegung kam,?Weil beide die Bewegung lieben;?Allein, da? die Vers?hnung ausgeblieben,?Glaub ich, und wer die Weiber kennt,?Nicht eher, als kein Stroh mehr brennt.?Denn wird doch wohl ein L?we zahm.?Und eine Frau ist ohnedem ein Lamm.?"Ein Lamm? du magst die Weiber kennen."?Je nun, man kann sie doch insoweit L?mmer nennen,?Als sie von selbst ins Feuer rennen.
"F?hrst du in der Erz?hlung fort??Und bleibst mit deinem Kritisieren?Doch ewig an demselben Ort?"?So kann das N��tzliche den Dichter auch verf��hren.?Nun gut, ich fahre fort,?Und sag, um wirklich fortzufahren,?Da? nach f��nf Vierteljahren?Die Schelmereien ruchbar waren.?"Erst nach f��nf Vierteljahren? Nu;?Der Eremit hat wacker ausgehalten.?So viel trau ich mir doch nicht zu;?Ich m?chte nicht sein Amt ein Vierteljahr verwalten.?Allein, wie ward es ewig kund??Hat es ein schlauer Mann erfahren??Verriet es einer Frau waschhafter Mund??Wie? oder da? den Hochverrat?Ein alt neugierig Weib, aus Neid, begangen hat?"?O nein; hier mu? man besser raten,?Zwei muntre M?dchen hatten schuld,?Die voller frommen Ungeduld?Das taten, was die M��tter taten;?Und dennoch wollten sich die M��tter nicht bequemen,?Die guten Kinder mitzunehmen.?"Sie merkten also wohl den Braten?"--?Und haben ihn gar dem Papa verraten.?"Die T?chter sagtens dem Papa??Wo blieb die Liebe zur Mama?"?Oh! die kann nichts darunter leiden;?Denn wenn ein M?dchen auch die Mutter liebt,?Da? es der Mutter in der Not?Den letzten Bissen Brot?Aus seinem Munde gibt;?So kann das M?dchen doch die Mutter hier beneiden,?Hier, wo so Lieb als Klugheit spricht:?Ihr Sch?nen, trotz der Kinderpflicht,?Verge?t euch selber nicht!?Kurz, durch die M?dchen kams ans Licht,?Da? er, der Eremit, beinah die ganze Stadt?Zu Schw?gern oder Kindern hat.
Oh! der verfluchte Schelm! Wer h?tte das gedacht!?Die ganze Stadt ward aufgebracht,?Und jeder Ehmann schwur, da? in der ersten Nacht,?Er und sein Mitgeno? der Hain,?Des Feuers Beute m��sse sein.?Schon rotteten sich ganze Scharen,?Die zu der Rache fertig waren.?Doch ein hochweiser Magistrat?Besetzt das Tor, und sperrt die Stadt,?Der Eigenrache vorzukommen,?Und schicket alsobald?Die Schergen in den Wald,?Die ihn vom Kreuze weg, und in Verhaft genommen.?Man redte schon von Galgen und von Rad,?So sehr schien sein Verbrechen h??lich;?Und keine Strafe war so gr??lich,?Die, wie man sagt, er nicht verdienet hat.?Und nur ein Hagestolz, ein schlauer Advokat,?Sprach: "Oh! dem k?mmt man nicht ans Leben,?Der es Unz?hligen zu geben,?So r��hmlich sich beflissen hat."
Der Eremite, der die Nacht?Im Kerker ungewi? und sorgend durchgemacht,?Ward morgen ins Verh?r gebracht.?Der Richter war ein schalkscher Mann,?Der jeden mit Vergn��gen schraubte,?Und doch--(wie man sich irren kann!)?Von seiner Frau das beste glaubte.?"Sie ist ein Ausbund aller Frommen,?Und nur einmal in Wald gekommen,?Den Pater Eremit zu sehn.?Einmal! Was kann da viel geschehn?"?So denkt der g��tige Herr Richter.?Denk immer so, zu deiner Ruh,?Lacht gleich die Wahrheit und der Dichter,?Und deine fromme Frau dazu.
Nun tritt der Eremit vor ihn.?"Mein Freund, wollt Ihr von selbst die nennen,?Die--die Ihr kennt, und die Euch kennen:?So k?nnt Ihr der Tortur entfliehn.?Doch"--"Darum la? ich mich nicht plagen.?Ich will sie alle sagen.?Herr Richter, schreib Er nur!" Und wie??Der Eremit entdecket sie??Ein Eremite kann nicht schweigen??Sonst ist das Plaudern nur den Stutzern eigen.?Der Richter schrieb. "Die erste war?Kamilla"--"Wer? Kamilla?" "Ja f��rwahr!?Die andern sind: Sophia, Laura, Doris,?Angelika, Korinna, Chloris"--?"Der Henker mag sie alle fassen,?Gemach! und eine nach der andern fein!?Denn eine nur vorbei zu lassen"--?"Wird wohl kein gro?er
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