polnisch sprechenden Oberschlesiern durchscheinen lie?, und durchsetzt war mit manchen heimischen polnischen Kraftausdr��cken. Es war eine recht hart klingende, aber eine gem��tliche Sprache. Bei uns zu Hause, in der Schule und im Bekanntenkreis wurde Hochdeutsch gesprochen, die Kraftausdr��cke und der Akzent waren verp?nt, aber das oberschlesische Deutsch war doch um einen herum, man lebte damit. Auch das Polnisch h?rte man. In der Stadt wurde ganz vorwiegend Deutsch gesprochen, aber polnisch h?rte man als Kind zum Beispiel im Kontakt mit Bauern und B?uerinnen der Umgebung, die man bei den t?glichen Spazierg?ngen
traf, oder wenn man auf den Markt mitging.
Aber mir fehlte als Kind das Gef��hl f��r eine starke Spannung zwischen deutsch und polnisch sprechenden Menschen in Oberschlesien, und ich glaube, nicht nur wegen meiner Kindheit, sondern auch, da? diese Spannung vor 1918 nicht so entwickelt war. Es ist richtig, Oberschlesien war bereits im Reichstag durch den polnischen Abgeordneten Korfanty vertreten, es gab polnische Vereine und Zeitungen, Wahlk?mpfe, aber es gingen alle in den Krieg 1914.
Wenn man ��ber die Jahrhunderte zur��ckblickt, dann war Schlesien, und besonders Oberschlesien so stark und h?ufig ein Gebiet der ��berg?nge, mit wechselnden Siedlungseinfl��ssen und politischen Oberhoheiten. Die Bev?lkerung, die die Umwelt meiner Kindheit war, trug noch die Zeichen davon. Es war auch ein Dialekt des Polnischen, bei uns Wasserpolnisch genannt, im heutigen Polen "gwara", der in Oberschlesien gesprochen wurde. Es hatte ja lange getrennt vom polnischen Hauptland und zeitweise unter b?hmischen (tschechischen) und deutschen Einfl��ssen gelebt, die zu dieser Dialektbildung beigetragen hatten. Die S��dostecke Oberschlesiens, wo Kattowitz lag, war so ganz besonders ein Grenzland. Wenn man an klaren Tagen nach S��den sah, oder gar s��dlich auf dem Wege nach Ple? fuhr, dann sah man die Gebirgskette der Beskiden, des n?rdlichen Teils der Karpaten, das war in ?sterreich. Es war das ?stereichische Schlesien, das der preu?ische K?nig Friedrich der Gro?e am Ende seiner Schlesischen Kriege der Kaiserin Maria Theresia noch belassen mu?te. Wenn man auf einem gr??eren Ausflug nach Bielitz am Rande der Beskiden fuhr, dann ging man ins Kaffee Bauer, und das war, so wurde uns Kindern gesagt, wie ein richtiges Wiener Kaffeehaus, die Leute in der Stadt sprachen deutsch mit einem ?sterreichischen Akzent. Sie waren in ?sterreichische Schulen gegangen, bei uns in Kattowitz waren es preussische. Im Osten von Kattowitz aber war die russische Grenze. Nur etwa zehn Kilometer weg bei Myslowitz war die Dreikaiserecke, wo das deutsche, ?sterreichische und russische Kaiserreich zusammenstie?en. F��r uns als Kinder war diese Idee nat��rlich faszinierend. Aber die russische Grenze lief noch n?her bei Kattowitz vorbei, in wenigen Autominuten war man in Czeladz und Sosnowitz, wie es damals bei uns genannt wurde, aber es war nat��rlich die polnische Stadt Sosnowiec, die damals unter Herrschaft des russichen Zaren stand.
Mein Gro?vater und Vater waren Bauunternehmer in Kattowitz. In Sosnowitz selbst hatten sich im l9. Jahrhundert mehrere s?chsische Textilindustrielle niedergelassen. Mein Gro?vater und Vater hatten die Bauten ausgef��hrt, und waren mit der Familie Dietel befreundet. Ich erinnere mich an Besuche bei ihnen. Ihr Wagen mir Pferden wurde bei uns im Hof abgestellt, wenn jemand von der Familie nach Kattowitz zum Einkaufen kam. Dann sprachen wir mit dem Kutscher, der aus Ru?land kam. Aber das sind Erinnerungen an das eher Fernere und Fremde aus der Welt meiner Kindheit und fr��heren Jugend. Es waren Dinge am Rande der Umwelt, denn die Umwelt war eben "Oberschlesien", so wie es sich in etwa 160 Jahren als ein Regierungsbezirk der preu?ischen Provinz Schlesien entwickelt hatte, und uns in unserer Jugend erschien. Man versteht Vieles besser, wenn man versucht, von dem Heute aus einen neuen, unbefangenen Blick auf die Geschichte zu werfen. Bereits f��r die vorgeschichtliche Zeit gibt es erhebliche Meinungsverschiedenheiten zwischen deutschen und polnischen Historikern.
Schriftliche ��berlieferung beginnt sp?t, aber arch?ologische Forschung hat, verglichen mit meiner Schulzeit, das Bild der Fr��hgeschichte des ?stlichen Mitteleuropas sehr erweitert, bis weit vor der V?lkerwanderung. Vor den Kelten und nachwandernden Germanen wei? man heute ��ber die vorherige Bev?lkerung und ihre Kulturen, sieht fr��heste Einfl��sse ��ber das Donaugebiet von S��den(1), mit eigenen Handwerkszentren und Metallverarbeitung in Schlesien. Nach polnischen Auffassungen (2) waren Tr?ger dieser fr��hen Kulturen bereits indogermanische, n?mlich slawische St?mme, so die bekannte Lausitzer Kultur, und die sp?ter erscheinenden Kelten und Germanen nur durchwandernde V?lker, die vor��bergehende Herrschaft ��ber bestehende Urbev?lkerung aus��bten, ?hnlich wie man es von Awaren oder Hunnen wei?. Andere bleiben bei fr��herer Auffassung, da? slawische St?mme erst den nach Westen weiterziehenden Germanen nachger��ckt sind.
Als fr��he slawische Staatsbildung erscheint im 9. Jahrhundert n.Chr ein Gro?m?hrisches Reich, bald ��berholt vom B?hmischen Reich der Przemysliden Dynastie, das, durch Mission von benachbarten bayrischen Bist��mern her zum r?mischen Christentum bekehrt, seinen Eintritt in die abendl?ndische Welt findet und in diese auch Schlesien einbezieht, von wo 950 n.Chr. ein Missionar nach Posen geht.
Dort hatte sich inzwischen der Kern eines polnischen Reiches unter dem Piasten Mieszko I. entwickelt. Unter dem Einflu? sowohl von B?hmen wie von Sachsen auch

Continue reading on your phone by scaning this QR Code
Tip: The current page has been bookmarked automatically. If you wish to continue reading later, just open the
Dertz Homepage, and click on the 'continue reading' link at the bottom of the page.