altes, nun l?ngst verschwundenes Haus zeigte. "Merke dir das", sagte er zu mir, "hier wohnte Anno 1549, da am Sonntage Jubilate die gro?e Feuersbrunst ausbrach, der fromme Kaufmann Meinke Graveley. Da die Flammen heranbrausten, sprang er mit Elle und Waage auf die Gasse und flehte zu Gott, wenn er je mit Wissen und Willen seinen N?chsten um eines K?rnleins Wert gesch?diget, so m?ge sein Haus nicht verschont bleiben. Aber die Flamme sprang dar��ber hin, w?hrend alles rings in Asche fiel.
"Siehst du, mein Kind", setzte mein Vater hinzu, indem er seine H?nde in die H?he hob, "das k?nnte auch ich tun; und auch ��ber unser Haus w��rde die Strafe des Herrn hinweggehen."--Hansen sah mich an. "Der Mensch soll sich nicht r��hmen", sagte sie dann. "Du bist nun alt genug, da? ich dir es wohl erz?hlen mag; du mu?t doch von mir wissen, wenn ich nicht mehr bin. --Mein guter Vater hatte eine Schw?che; er war abergl?ubig. Diese Schw?che brachte ihn dahin, da? er in den Tagen der ?u?ersten Not etwas beging, das ihm bald das Herz brach; denn er konnte seitdem die Geschichte von dem frommen Kaufmann nicht mehr erz?hlen.
In dem Hause neben uns wohnte ein Tischlermeister. Als er mit seiner Frau fr��hzeitig verstarb, wurde mein Vater der Vormund seines nachgelassenen Sohnes. Harre--diesen friesischen Namen f��hrte der Knabe--las gern in den B��chern und war auch schon in der Tertia unserer Lateinischen Schule; aber die Mittel reichten doch nicht zum Studieren; und so blieb er denn bei dem Handwerk seines Vaters. Als er sp?ter Geselle wurde und nach zweij?hriger Wanderung wieder eine Zeitlang bei einem Meister gearbeitet hatte, wurde es auch bald bekannt, da? er zu den feineren Arbeiten in seinem Fach ein besonderes Geschick habe. Wir beide waren miteinander aufgewachsen; als er noch in der Lehre war, las er mir oft aus den B��chern vor, die er sich von seinen fr��heren Schulkameraden geliehen hatte. Du wei?t, wir wohnten am Markt in dem Erkerhause dem Rathause gegen��ber; da steht noch jetzt ein m?chtiger Buchsbaum im Garten. Wie oft haben wir mit unserem Buche unter diesem Baum gesessen, w?hrend ��ber uns die Bienen in den kleinen gr��nen Bl��ten summten!--Nach seiner R��ckkehr war das nicht anders geworden, er kam oft in unser Haus; mit einem Wort, mein lieber Junge, wir beiden hatten uns gern und suchten das auch nicht zu verbergen.
Meine Mutter lebte nicht mehr; was mein Vater dazu dachte und ob er ��berhaupt etwas dar��ber gedacht, das hab ich nie erfahren. Auch kam es nicht so weit, da? es ein rechtes Verl?bnis wurde.
Eines Morgens in den ersten Fr��hlingstagen war ich in unsern Garten gegangen; die Krokus und die roten Leberblumen schickten sich schon an zu bl��hen, es war alles ringsumher so jung und frisch; aber mir selbst war schwer zu Sinne; die Sorgen meines Vaters dr��ckten auch mich. Obwohl er niemals ��ber seine Angelegenheiten zu mir geredet, so f��hlte ich doch, da? es immer schneller abw?rts ging. In den letzten Monaten hatte ich den Stadtdiener oft und ?fter in die Schreibstube gehen sehen; war er fort, so verschlo? mein Vater sich stundenlang; und von manchem Mittagessen stand er auf, ohne die Speisen ber��hrt zu haben. In der letzten Woche hatte er einen ganzen Abend damit zugebracht, sich die Karten zu legen; auf meine wie im Scherz hingeworfene Frage, wor��ber er denn Auskunft von seinem Orakel erwarte, hatte er mich stumm mit der Hand zur��ckgewiesen und war dann sp?ter mit einem kurzen "Gute Nacht" in seine Kammer gegangen.
Das alles lag mir auf dem Herzen; und meine Augen, die nach innen sahen, wu?ten nichts von dem klaren Sonnenschein, der drau?en die ganze Welt verkl?rte. Da h?rte ich unten von der Marsch herauf die Lerchen singen; und du wei?t es ja wohl, mein Kind, in der Jugend ist das Herz noch so leicht, der kleinste Vogel tr?gt es mit empor. Mir war pl?tzlich, als s?he ich ��ber allen Dunst der Sorge hinweg in eine sonnige Zukunft; als brauchte ich nur den Fu? hineinzusetzen. Ich wei? noch, wie ich an den Beeten hinkniete und mit welcher Freude ich nun die Knospen und das junge Gr��n betrachtete, das ��berall aus dem Scho? der Erde hervortrieb. Ich dachte auch an Harre und zuletzt, glaub ich, nur an ihn. Indem h?rte ich die Gartent��r aufklinken, und wie ich aufsah, kam er selber mir entgegen.
Ob auch ihn die Lerche froh gemacht hatte--er sah aus wie die Hoffnung selbst. "Guten Morgen, Agnes", rief er, "wei? du was Neues--?"
"Ist's denn was Gutes, Harre?"
"Versteht sich, was sollt es sonst wohl sein! Ich will Meister werden und das in allern?chster Zeit."
Kannst du wohl denken, da? ich ordentlich erschrak! Denn ich dachte doch gleich: Mein Gott, nun braucht er auch die Frau Meisterin!
Ich mag wohl ganz verdutzt ausgesehen haben; denn Harre fragte mich: "Fehlt dir etwas, Agnes?"
"Mir, Harre? Ich glaube nicht", sagte ich. "Der Wind wehte

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