wir wu?ten kaum, da? sie auch noch den wohlklingenden Namen "Agnes" f��hrte, der einst, da ihre blauen Augen noch jung und das jetzt graue Haar noch blond gewesen, gar wohl zu ihr gepa?t haben mochte. Sie hatte viele Jahre bei der Gro?mutter gedient und dann, ich mochte damals in meinem zw?lften Jahre sein, als die Tochter eines B��rgers, der der Stadt Lasten getragen, im Stifte Aufnahme gefunden. Seitdem war eigentlich f��r uns aus dem gro?m��tterlichen Hause die Hauptperson verschwunden; denn Hansen wu?te uns allezeit, und ohne da? wir es merkten, in behagliche T?tigkeit zu setzen; meiner Schwester schnitt sie die Muster zu neuen Puppenkleidern, w?hrend ich mit dem Bleistift in der Hand nach ihrer Angabe allerlei k��nstliche Prendelschrift anfertigen oder auch wohl ein jetzt selten gewordenes Bild der alten Kirche nachzeichnen mu?te, das in ihrem Besitze war. Nur eines ist mir sp?ter in diesem Verkehr aufgefallen; niemals hat sie uns ein M?rchen oder eine Sage erz?hlt, an welchen beiden doch unsere Gegend so reich ist; sie schien es vielmehr als etwas Unn��tzes oder gar Sch?dliches zu unterdr��cken, wenn ein anderer von solchen Dingen anheben wollte. Und doch war sie nichts weniger als eine kalte oder phantasielose Natur. --Dagegen hatte sie an allem Tierleben ihre Freude; besonders liebte sie die Schwalben und wu?te ihren Nesterbau erfolgreich gegen den Kehrbesen der Gro?mutter zu verteidigen, deren fast holl?ndische Sauberkeit sich nicht wohl mit den kleinen Eindringlingen vertragen konnte. Auch schien sie das Wesen dieser V?gel genauer beobachtet zu haben. So entsinne ich mich, da? ich ihr einst eine Turmschwalbe brachte, die ich wie leblos auf dem Steinpflaster des Hofes gefunden hatte. "Das sch?ne Tier wird sterben", sagte ich, indem ich traurig das gl?nzende braunschwarze Gefieder streichelte; aber Hansen sch��ttelte den Kopf. "Die?" sagte sie, "das ist die K?nigin der Luft; ihr fehlt nichts als der freie Himmel! Die Angst vor einem Habicht wird sie zu Boden geworfen haben; da hat sie mit den langen Schwingen sich nicht helfen k?nnen." Dann gingen wir in den Garten; ich mit der Schwalbe, die ruhig in meiner Hand lag, mich mit den gro?en braunen Augen ansehend. "Nun wirf sie in die Luft!" rief Hansen. Und staunend sah ich, wie, von meiner Hand geworfen, der scheinbar leblose Vogel gedankenschnell seine Schwingen ausbreitete und mit hellem Zwitscherlaut wie ein befiederter Pfeil in dem sonnigen Himmelsraum dahinscho?. "Vom Turm aus", sagte Hansen, "solltest du sie fliegen sehen; das hei?t von dem Turm der alten Kirche, der noch ein Turm zu nennen war."
Dann, mit einem Seufzer meine Wangen streichelnd, ging sie ins Haus zur��ck an die gewohnte Arbeit. "Weshalb seufzt denn Hansen so?" dachte ich.--Die Antwort auf diese Frage erhielt ich erst viele Jahre sp?ter, aus einem mir damals g?nzlich fremden Munde.
Nun war sie in den Ruhestand versetzt, aber ihre Schwalben hatten sie zu finden gewu?t, und auch wir Kinder wu?ten sie zu finden. Wenn ich am Sonntagmorgen vor der Kirchzeit in das saubere St��bchen der alten Jungfrau trat, pflegte sie schon im feiert?glichen Anzuge vor ihrem Gesangbuche zu sitzen. Wollte ich dann neben ihr auf dem kleinen Kanapee Platz nehmen, so sagte sie wohl: "Ei was, da siehst du ja die Schwalben nicht!" Dann r?umte sie einen Geranien- oder einen Nelkenstock von der Fensterbank und lie? mich in der tiefen Fensternische auf ihrem Lehnstuhl niedersetzen. "Aber so fechten mit den Armen darfst du nicht", f��gte sie dann l?chelnd hinzu; "so junge muntere Gesellen sehen sie nicht alle Tage!" Und dann sa? ich ruhig und sah, wie die schlanken V?gel im Sonnenscheine ab und zu flogen, ihr Nest bauten oder ihre Jungen f��tterten, w?hrend Hansen mir gegen��ber von der Herrlichkeit der alten Zeit erz?hlte; von den Festen im Hause meines Urgro?vaters, von den Aufz��gen der alten Sch��tzengilde oder--und das war ihr Lieblingsthema--von der Bilder- und Altarpracht der alten Kirche, in der sie selbst noch zur Enkelin des letzten T��rmers Gevatter gestanden hatte; bis dann endlich von der Kapelle her der erste Orgelton zu uns her��berbrauste. Dann stand sie auf, und wir gingen miteinander durch einen schmalen endlosen Korridor, welcher nur durch die verhangenen T��rfensterchen der zu beiden Seiten liegenden Zellen ein karges D?mmerlicht empfing. Hier und dort ?ffnete sich eine dieser T��ren, und in dem Schein, der einige Augenblicke die Dunkelheit unterbrach, sah ich alte, seltsam gekleidete M?nner und Frauen auf den Gang hinausschlurfen, von denen die meisten wohl schon vor meiner Geburt aus dem Leben der Stadt entschwunden waren. Gern h?tte ich dann dies oder jenes gefragt; aber auf dem Wege zur Kirche hatte ich von Hansen keine Antwort zu erwarten; und so gingen wir denn schweigend weiter, am Ende des Ganges Hansen mit der alten Gesellschaft auf einer Hintertreppe nach unten zu den Pl?tzen der Stiftsleute, ich oben auf das Chor, wo ich tr?umend dem sich drehenden Glockenspiel der Orgel zusah und, wenn unser Propst die Kanzel bestiegen hatte--ich

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