Fabeln und Erzählungen | Page 7

Gotthold Ephraim Lessing
ganze Scharen?Von Dienern zu Gebote stehn.?Ach! wie gesagt, das alles w?r sehr sch?n,?Wenn ich--wenn ich--"
"Ein Wenn? Ich will doch sehn",?(Hier sahe man den alten Herrn sich bl?hn,)?"Was f��r ein Wenn mir kann im Wege stehn!"
"Wenn ich nur nicht verschworen h?tte--"?"Verschworen? was? Finette,?Verschworen nicht zu frein?--?O Grille", rief der Freiherr, "Grille!"?Und griff nach seiner Brille,?Und nahm das M?dchen durch die Brille?Nochmals in Augenschein,?Und rief best?ndig: "Grille! Grille!?Verschworen nicht zu frein!"
"Beh��te!" sprach Finette,?"Verschworen nur mir keinen Mann zu frein,?Der so, wie Ihre Gnaden pflegt,?Die Augen in der Tasche tr?gt!"
Die eheliche Liebe
Klorinde starb; sechs Wochen drauf?Gab auch ihr Mann das Leben auf,?Und seine Seele nahm aus diesem Weltget��mmel?Den pfeilgeraden Weg zum Himmel.?"Herr Petrus", rief er, "aufgemacht!"?"Wer da?"--"Ein wackrer Christ."--?"Was f��r ein wackrer Christ?"--?"Der manche Nacht,?Seitdem die Schwindsucht ihn aufs Krankenbette brachte,?In Furcht, Gebet und Zittern wachte.?Macht bald!"--Das Tor wird aufgetan.?"Ha! ha! Klorindens Mann!?Mein Freund", spricht Petrus, "nur herein;?Noch wird bei Eurer Frau ein Pl?tzchen ledig sein."?"Was? meine Frau im Himmel? wie??Klorinden habt Ihr eingenommen??Lebt wohl! habt Dank f��r Eure M��h!?Ich will schon sonst wo unterkommen."
Die kranke Pulcheria?Freie ��bersetzung einer Erz?hlung aus dem Fontaine
Pulcheria ward krank... "Vielleicht die Lust zu b��?en,?Die..." Pfui, wer wird nun gleich so voller Argwohn sein??Schweigt, Neider! h?rt mir zu! ich lenke wieder ein.?Pulcheria ward krank. Unruhig im Gewissen,?Lie? ihr der Schmerz manchmal, die Schwermut niemals Ruh.?"Wie? Was? Pulcheria w?r melancholisch worden??Sprich, L��gner, lieber gar, sie trat in Nonnenorden."?Schon wieder st?rt ihr mich? Schweigt doch, und h?rt mir zu! Als sie einst ihre Not zu lauten Seufzern trieb,?Sprach Lady, ihre Magd: "La?t doch den Priester holen;?Legt dem die Beichte ab, so seid Ihr GOtt empfohlen;?Und beichten m��sset Ihr, ist Euch der Himmel lieb."?"Ja dieser Rat ist gut", spricht unsre kranke Sch?ne.?"Lauf, oder schicke gleich zum Pater Andres hin;?Andres--merks wohl--weil ich auch sonst sein Beichtkind bin, So oft ich mich mit dir, o lieber GOtt! vers?hne."?Gleich l?uft ein Diener hin, klopft an das Kloster an,?Und so, als wenn das Tor davon zerspringen solle.?"Nu, Nu! Gemach! Gemach!" Man fragt, zu wem er wolle??"Je, macht nur erstlich auf." Das Tor wird aufgetan.?"Der Pater Andres wird zu meiner Frau begehret,?Die gerne beichten will, weil sie bald sterben kann."?"Wer?" fragt ein Bruder ihn; "Andres? der gute Mann!?Zehn Jahr ists schon, da? der im Himmel Beichte h?ret."
L.
Die Nu? und die Katze?Eine Fabel.
"Gewi?, Herr Wirt, dies Obst ist nicht f��r meinen Magen.?Denn wenn ich mir, es frei zu sagen,?Ja eine Baumfrucht loben mu?,?So lob ich mir die welsche Nu?.?Die schmeckt doch noch!--Bei meiner Treu!?Der zartste Apfel k?mmt der Nu?, der Nu? nicht bei."?Ein K?tzchen, das der Wirtin Liebe?Nie mit Gewalt zum Mausen triebe,?Und itzt in ihrem Scho?e sa?,?War schlau, vernahm und merkte das.?"Was?" dacht es, "eine Nu? soll so vortrefflich schmecken??Halt! diese Wahrheit soll mein Maul gleich selbst entdecken." Es sprang vom Scho?e weg, und lief dem Garten zu.?Nu, Katze, nu, wie dumm bist du!?Der sch?nen Chloris Scho? um eine Nu? zu lassen??W?rst du ein junger Herr, wie w��rde sie dich hassen!?Nein, Sch?nen, r?umet mir nur diesen Ort erst ein;?So wahr er mich ergetzt, ich will kein K?tzchen sein.?Doch dieses sag ich nur so im Vor��bergehen.?Horcht! ich erz?hle fort. Beim Garten blieb ich stehen??Nicht? Ja. Wohl gut. Hier fand der Katze L��sternheit?Beim n?chsten Nu?baum nun, worauf sie sich gefreut.?Wollt ihr etwan ein Bild zu meiner Fabel malen:?So malt die N��sse ja noch in den gr��nen Schalen,?Die unsre Katze fand. Darauf k?mmt alles an.?Denn als sie kaum darein den ersten Bi? getan,?So schnaubt und sprudelt sie, als wenn sie Glas gefressen.?"Dich", spricht sie, "lobt der Mensch: so mag er dich auch essen. Oh! pfui, was mu? er nicht f��r eine Zunge haben!?An solcher S?ure sich zu laben!"
*?O schweig nur dummes Tier!?Du schm?hst zur Ungeb��hr,?Du h?ttest auf den Kern nur erstlich kommen sollen,?Denn den, die Schale nicht, hat Lydas loben wollen!
L.
Die Sonne
Der Stern, durch den es bei uns tagt--?"Ach! Dichter, lern, wie unsereiner sprechen!?Mu? man, wenn du erz?hlst,?Und uns mit albern Fabeln qu?lst,?Sich denkend noch den Kopf zerbrechen?"?Nun gut! die Sonne ward gefragt:?Ob sie es nicht verdr?sse,?Da? ihre unerme?ne Gr??e?Die durch den Schein betrogne Welt?Im Durchschnitt gr??er kaum, als eine Spanne, h?lt??"Mich", spricht sie, "sollte dieses kr?nken??Wer ist die Welt? wer sind sie, die so denken??Ein blind Gew��rm! Genug, wenn jene Geister nur,?Die auf der Wahrheit dunkeln Spur,?Das Wesen von dem Scheine trennen,?Wenn diese mich nur besser kennen!"
*?Ihr Dichter, welche Feur und Geist?Des P?bels bl?dem Blick entrei?t,?Lernt, will euch mi?gesch?tzt des Lesers Kaltsinn kr?nken,?Zufrieden mit euch selbst, stolz wie die Sonne denken!
Die Teilung
An seiner Braut, Fr?ulein Christinchens, Seite?Sa? Junker Bogislav Dietrich Karl Ferdinand?Von--sein Geschlecht bleibt ungenannt--?Und tat, wie alle seine Landesleute,?Die Pommern, ganz abscheulich witzig und galant.?Was schwatzte nicht f��r zuckers��?e Schmeicheleien?Der Junker seinem Fr?ulein vor!?Was raunte nicht f��r k��hne Schelmereien?Er ihr vertraut ins Ohr??Mund, Aug und Nas und Brust und H?nde,?Ein jedes Glied macht ihn entz��ckt,?Bis er, entz��ckt auch ��ber H��ft und Lende,?Den plumpen Arm um H��ft und
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