Landmann beobachtet, der in sich gekehrt neben ihr sa? und kutschierte. Scheu blickte er manchmal von der Seite auf sie hin. Wie kam das junge M?dchen zu solchen Bekanntschaften? -- Sie schien den jungen Herrn doch besser zu kennen, als sie zugeben wollte? Und weshalb behandelte sie ihn so von oben herab? Wilms seufzte tief auf. Nein, das war nicht die Person, die er brauchte, damit sie Else pflegen und ihm selbst in der Wirtschaft helfen sollte. Sein erster instinktiver Widerwille war berechtigt gewesen. Wie sie jetzt neben ihm sa?, die schlanke Figur ein wenig vorn��ber geneigt, die gro?en, braunen Augen durstig in die sonnige Ferne gerichtet, die Lippen ge?ffnet, als tr?nke sie die einstr?mende Luft, so war sie ihm ein zu feines, ein zu fremdes Wesen.
?Mein Gott, was wird Else dazu sagen?? dachte er bek��mmert. ?Und was sie f��r einen Hut tr?gt, was f��r Handschuhe??
Heftig schlug er auf die Pferde ein, wie einer, der etwas Unangenehmes rasch zu Ende bringen will, und im scharfen Trab rollte das Gef?hrt dahin, ohne da? Hedwig das eingetretene Stillschweigen unterbrochen h?tte.
Nur einmal fragte sie beinahe gleichg��ltig, immer die Augen in die Weite gerichtet: ?Ist Else noch so h��bsch, wie sie war??
Wilms bi? sich auf die Lippen, die Z��gel in seiner Hand lockerten sich unwillk��rlich.
Hatte er recht vernommen? Ihre frische, klare Stimme t?nte genau so k��hl, so obenhin, so v?llig uninteressiert, als h?tte ihre Frage einer ganz nebens?chlichen Person gegolten.
Und das war die Schwester, die sich nach seinem armen gequ?lten Weibe erkundigte?
?Ja,? fuhr er rauh heraus, ?gerade noch so h��bsch -- genau so -- -- allerdings spazieren gehen kann sie nicht mehr und sich putzen.?
Anklagend und beleidigt klangen die wenigen Worte, und Hedwig richtete zum erstenmal ihren Blick forschend auf ihren Schwager. Sie schien verwundert und warf ein wenig die Lippen auf. Und beinahe mit absichtlicher Herbheit setzte sie hinzu: ?Die lange Krankheit hat wohl viel Geld gekostet??
Wilms schwoll der Unmut bis an die Kehle. Wie ein W��tender hieb er auf die Tiere ein, im gestreckten Galopp ging's weiter.
Die beiden sprachen nicht mehr miteinander. Im ungem��tlichen Schweigen durchfuhren sie das Dorf, bis sie endlich auf dem Pachthof anlangten.
Vertr?umt, verfallen, lautlos wie immer lag er da. Und diese Todesstille lockte Hedwig das erste Wort ab.
?Merkw��rdig,? murmelte sie befangen, als Wilms ihr zum Herabsteigen die Hand bot, ?das h?tt' ich mir anders gedacht. Ist es hier immer so lautlos??
?Ja, mein Kind, immer. Aus R��cksicht f��r Else. Und dann ist auch heute Sonntag.?
?Ja, so -- so, so,? wiederholte sie in sich gekehrt. Wilms sah, da? sie noch einmal mit einem ihrer langen, klaren Blicke das Anwesen ��berflog. Dann strich sie sich ��ber die Stirn und ?u?erte rasch und dringend, als ob sie dem Anblick entfliehen wollte: ?Komm -- gehen wir zur Schwester.?
V.
Der Nachmittag war im Verd?mmern. Auf dem Hof webten bereits graue Schatten und krochen an den W?nden der Scheunen empor, aber in dem Krankenzimmer brannte eine gro?e sch?ne Stehlampe, ein Hochzeitsgeschenk, das noch nie benutzt war, und das jetzt eine strahlende, gem��tliche Helle verbreitete.
?Hier mu? es doppelt licht sein,? hatte die j��ngere Schwester gemeint und dann die Staatslampe einfach von der Glasservante heruntergenommen und sie instand gesetzt.
Still und zufrieden lag die Kranke jetzt in ihrem Bett und sah mit blinzelnden Augen in die Lichtstrahlen hinein, w?hrend sie die Hand der Schwester, die neben dem Lager sa?, mit ihren schmalen Fingern fest umspannt hielt.
In der Mitte der Stube, vor dem gro?en Tisch, hatte Wilms Platz genommen und beugte sich eifrig ��ber ein Wirtschaftsbuch, das seit vielen Monaten vernachl?ssigt war. Nur langsam und schwerf?llig vermochte der gro?e Mann zu rechnen, aber es tat ihm schon uns?glich wohl, endlich einmal Klarheit in seine Verh?ltnisse bringen zu k?nnen. So m��hte er sich fort, und nur von Zeit zu Zeit hob er das Haupt und lauschte zu den beiden Frauen hin��ber.
Dort dr��ben las Hedwig der Kranken vor. Seltsam, nicht aus der Bibel. Die neue Pflegerin hatte sofort erkl?rt, es sei nicht zweckm??ig, einer Leidenden etwas vorzutragen, was diese beinahe auswendig wisse und zudem auch ihre Gedanken stets auf Tod und Verg?nglichkeit hinweise. -- Nein, etwas Neues, Heitres m��sse gew?hlt werden, und sofort war sie in ihr Dachst��bchen hinaufgeeilt, um das Versprochene zu bringen. -- Als sie nach einiger Zeit zur��ckkehrte, hatte sie auch die Kleidung gewechselt. -- Ein schwarzes Gewand legte sich einfach und straff um den schlanken K?rper und lie? sie noch kr?ftiger und selbstbewu?ter als bisher erscheinen. L?chelnd setzte sie sich an das Lager und begann vorzulesen. Es war die von einem modernen, schwedischen Satyriker verfa?te Geschichte eines jungen M?dchens, das mit zwei Liebhabern zugleich t?ndelt, um schlie?lich eine Geldheirat einzugehen, in die sie als einzige Aussteuer die beiden Verlassenen als Hausfreunde mit hineinbringt.
Else verstand die Anspielungen wohl nicht recht. -- Sie hatte sich in ihren Kissen aufgerichtet und folgte den feinen Sp?ttereien mit befriedigter Verwunderung. Zuweilen huschte sogar

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