nach der Eltern Erlaubnis gefragt haben?"
"Freilich, das hat er getan. Ich habe gesagt: Der Vater ist in Paris, die Mutter in ?sterreich, da kann ich nat��rlich nicht warten, bis sie heimkommen. Ich bringe aber den Erlaubnisschein, sobald sie da sind. Das war ihm recht. Dann fragte er nach dem ?rztlichen Zeugnis. Das habe ich mir auch einstweilen verschafft. Auch einen Kriegskoffer, wie man ihn so braucht, habe ich gekauft. Ich habe nicht mehr warten k?nnen, sie gehen rei?end ab, sind schon kaum mehr zu haben."
"Aber Philipp, alles ohne unsere Zustimmung!"
Bei diesem Vorwurf traten aber beide Geschwister auf einmal f��r den Bruder ein. "Er hat doch geschrieben, wir haben nur keine Briefe mehr bekommen!"
Philipp aber griff nach der Mutter Hand, seine Worte klangen jetzt ruhiger, ernster, als es sonst seine Art gewesen: "Mutter, es ist eben Krieg! Und was f��r ein Krieg! Da leidet es keinen zu Haus, der k?mpfen kann. Der Vater wird's begreifen, Ludwig auch!"
"Ich auch," "und ich," riefen die Geschwister. Die Mutter schwieg einen Augenblick, dann sagte sie nachdenklich: "Die Engl?nder auch--eine Welt von Feinden! Philipp, ich will dich nicht zur��ckhalten!"
* * * * *
Eine Weile sp?ter sa?en sie beisammen am gedeckten Tisch. Die Mutter sah Philipp nach, der hin und her ging und f��r die ersch?pften Reisenden in liebevollster Weise sorgte. Ihr Philipp, ihr unn��tzer Schlingel; nein, ihr Philipp, der k��nftige Soldat, der sein Leben geben wollte f��rs Vaterland; der zum Mann wurde durch den Krieg!
Der 4. August
Die Mutter und ich sind schon seit drei Wochen auf dem Landgut der Gro?eltern. Der Vater hat uns hieher begleitet, mu?te aber gleich wieder abreisen. Wir sollen wegen der Mutter Gesundheit ��ber die ganzen Ferien hier bleiben.
Es ist herrlich hier bei den Gro?eltern. Die Gro?mutter hat mir ein reizendes M?dchenst��bchen eingerichtet und der Gro?vater, der im siebziger Krieg als Offizier dabei war, erz?hlt uns viel und kann alle Kriegsnachrichten fein erkl?ren. Aber noch lieber h?tten die Mutter und ich doch diese Kriegszeit mit dem Vater erlebt und darum waren wir ganz ��bergl��cklich, als er uns neulich telegraphierte, er w��rde uns auf der Heimreise von Berlin besuchen. Heute ist er wieder abgereist, aber wir sind noch ganz erf��llt von seinem Besuch und ich will mir alles ausschreiben, was er uns erz?hlt hat; ich m?chte garnichts davon vergessen; denn ich bin stolz und gl��cklich, da? der Vater so Gro?es miterlebt hat, und w?hrend er uns erz?hlte, kamen mir vor Begeisterung fast Tr?nen.
Der Vater kam also von Berlin; denn der Reichstag war wegen des Krieges zu einer au?ergew?hnlichen, ganz kurzen Tagung einberufen.
Schon das Wiedersehen mit all den Reichstagsabgeordneten mu? ganz anders gewesen sein als in gew?hnlichen Zeiten. Der Vater sagt, jedem habe man angesehen, da? er die Wichtigkeit dieser Tage empfinde. Fast vollz?hlig waren sie da, aber doch nicht ganz, weil einige schon zu ihrem Regiment einberufen waren.
Um ein Uhr, glaube ich, war die feierliche Er?ffnung im Wei?en Saal des k?niglichen Schlosses. Der Reichskanzler, die Mitglieder vom Bundesrat, Generale und andere Offiziere und die Reichstagsabgeordneten versammelten sich. Die Kaiserin, die Kronprinzessin und die Prinzessin Eitel Friedrich sa?en in der Hofloge. Das war, glaube ich, alles nicht viel anders, als es jedesmal bei der Er?ffnung des Reichstags ist. Aber das war dann anders, und der Vater sagt, das mahnte gleich so ernst an den Krieg, da? der Kaiser in der grauen, feldmarschm??igen Uniform erschien und auch der Kronprinz und die f��nf andern Prinzen, alle in Felduniform. Der Kaiser schritt die Stufen des Thrones hinauf, bedeckte sein Haupt mit dem Helm und las die Thronrede, laut, mit tief bewegter Stimme. Er rief die Welt zum Zeugen auf, da? wir durch Jahrzehnte unerm��dlich bestrebt waren, den Frieden zu erhalten und da? nur mit schwerem Herzen der Befehl zu mobilisieren ergangen sei. Dann sprach er von unserer Bundestreue gegen ?sterreich und von der Feindschaft im Osten und Westen, und der Vater sagt, man f��hlte bei dem begeisterten, st��rmischen Beifall, wie sehr er all den Anwesenden aus dem Herzen kam. Am Schlu? bat der Kaiser, der Reichstag m?chte doch einm��tig und schnell die n?tigen Beschl��sse fassen.
Nach dem Vorlesen der Thronrede geschah etwas ganz Ungew?hnliches: der Kaiser sprach noch frei einige pers?nliche Worte. Davon habe ich mir das gemerkt, was mir besonders gut gefiel, er sagte: "Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche." Und dann bat er die Vorst?nde der Parteien, ihm in die Hand zu geloben, da? sie mit ihm durch dick und d��nn, durch Not und Tod zusammen halten wollten.
Da traten die Pr?sidenten und die Parteivorst?nde, zu denen ja auch der Vater geh?rt, vor, und gelobten es durch H?ndedruck. Ich wei? nicht, ob der Vater dadurch dem Kaiser noch treuer gesinnt ist, als er schon vorher war, aber ich bin's, das kann ich f��r ganz gewi? sagen.
Und ich begreife so gut, da? alle Anwesenden nach dem "Hoch" auf den Kaiser, das sonst immer das letzte

Continue reading on your phone by scaning this QR Code
Tip: The current page has been bookmarked automatically. If you wish to continue reading later, just open the
Dertz Homepage, and click on the 'continue reading' link at the bottom of the page.