Kriegsbüchlein für unsere Kinder | Page 4

Agnes Sapper
allein k?nnt's nicht ausrichten, aber Deutschland und ?sterreich zusammen, die k?nnen's machen!"
Auf der Stra?e sah man einen Burschen mit dem Milit?rkoffer in der Hand. Vom Wagen aus wurde er angerufen: "Steig ein, Kamerad!" Der Wirt murrte: "Sind so schon genug!" Aber er fuhr doch langsamer und mit einem Satz sprang der Soldat auf; sie r��ckten kameradschaftlich zusammen und nun ging's weiter im Galopp; denn der Wirt sah manchmal bedenklich auf seine Uhr, ob es wohl noch bis zum Zugabgang reichen w��rde. Als endlich die Stadt sichtbar wurde und der Leiterwagen ��ber das Stra?enpflaster holperte, stimmten die k��nftigen Krieger ein Soldatenlied an, wodurch die Leute an ihre Fenster gelockt wurden und mit lauten Zurufen und Winken gr��?ten. Unsere drei Reisenden winkten ebenso eifrig, man hielt sie nat��rlich f��r die Angeh?rigen dieser Burschen, so galten auch ihnen die Gr��?e.
Das Aussteigen war wieder ein Kunstst��ck, aber die Burschen kannten sich jetzt schon aus und einer, der ein besonders gro?er, st?mmiger Kerl war, hob ohne weiteres zuerst die Kinder, dann die Mutter herunter, die sich ganz elend und zerschlagen f��hlte von dieser Fahrt im Leiterwagen. Aber sie achtete nicht darauf; wenn es nur nicht zu sp?t war!
Ein furchtbares Getriebe war am Bahnhof; eine Menschenmenge dr?ngte sich an den Schalter, wie es diese kleine Stadt vielleicht noch nie erlebt hatte; zum Teil waren es Einberufene, zum gr??eren Teil aber Sommerfrischler, die alle des Krieges wegen heimreisen wollten. Mitten in das Dr?ngen und Dr��cken der Leute, die f��rchteten zu sp?t zu kommen, klang jetzt der Ruf eines Bahnbeamten: "Nichts zu eilen, der Zug hat drei Stunden Versp?tung!"
Das war eine Nachricht! Allgemeiner Schrecken und Entr��stung! "Nun, das geht gut an! Ja, da erreicht man ja den Schnellzug nicht mehr! Ist das ein Unfug, eine R��cksichtslosigkeit!" Da erhob ein ?lterer Herr mitten im Gedr?nge den Arm, man sah unwillk��rlich auf ihn und da das Murren etwas verstummte, sprach er mit ernster Stimme: "Meine Herren, das ist kein Unfug, das ist der Krieg. Wir werden noch ganz andere Dinge erleben m��ssen als das!"
Da schwiegen die Leute und ergaben sich; holten sich ruhig nach einander die Karten und suchten sich da und dort ein Pl?tzchen zum Ausruhen, eine Gelegenheit zur St?rkung, eine Zeitung mit neuen Nachrichten. Sie zerstreuten sich, aber es zog sie doch alle bald wieder an die Bahn. Jeder ahnte, da? es schwierig sein w��rde, im Zug Platz zu bekommen. Auch Frau Li?mann stand bald wieder mit ihren Kindern im dichten Gedr?nge. In ihrer N?he bemerkte sie die Gruppe der jungen Leute, mit denen sie gefahren war, und es ��berkam sie das Verlangen, diesen ins Feld ziehenden Burschen noch eine Freundlichkeit zu erweisen. Welch' schweren Zeiten mochten sie entgegen gehen! Ihr junges, gesunden Leben mu?ten sie einsetzen f��rs Vaterland. H?tte sie doch fr��her daran gedacht, wenigstens ein paar Zigarren zu kaufen! Sie sagte es den Kindern. Die nahmen den Gedanken eifrig auf.
"Mutter, es dauert ja noch eine Viertelstunde, wir haben noch Zeit! Drau?en, am Obststand, waren auch Zigarren zu kaufen!" Sie dr?ngten, baten um das Geld, wollten durchaus noch einkaufen. Da gab die Mutter nach. Es war schwierig, gegen den Strom der Menschen nach r��ckw?rts zu dr?ngen. Mit M��he schoben sie sich durch und erwarben die Zigarren. Aber dann gelang es ihnen nicht mehr, ihren fr��heren Platz in der N?he der Burschen zu erobern; andere hatten sich vorgedr?ngt.
"Allein k?me ich schon durch," versicherte Karl.
"So nimm die Zigarren, gib sie ab und sage einen Gru?; wir w��nschten ihnen von Herzen Gl��ck in den Krieg!" Der Knabe schl?ngelte sich geschickt zwischen den Leuten zu den Burschen hindurch. Die Mutter sah von ferne, wie sie ��berrascht waren und einer nach dem andern dem jungen ��berbringer freundlich dankte. Der fand sich auch gl��cklich wieder zur��ck und sie freuten sich zusammen ��ber die kleine Liebesgabe, die sie ��bergeben hatten. Es war vielleicht eine der ersten von den Tausenden, ja Millionen, die im Laufe des Krieges gespendet wurden.
Endlich--es war hei?e Mittagszeit geworden--kam der Zug an! Aus allen Fenstern johlten Burschen denen entgegen, die am Bahnhof standen und ein unbeschreiblicher L?rm, ein be?ngstigendes Dr?ngen entstand. Die Wagen wurden von den M?nnern gest��rmt, Frauen und Kinder blieben zur��ck, und wo sie hinein wollten, hie? es: "Voll, ��bervoll!"
Die Beamten tr?steten: "In drei Stunden kommt wieder ein Zug."
Aber wer wollte noch einmal warten, und wer wu?te, ob es dann mehr Platz g?be? Frau Li?mann mit den Kindern lief hin und her, ��berall standen die Leute bis an die Trittbretter und wollten niemand mehr einlassen. Da pl?tzlich h?rte sie eine Stimme: "Nur herein, es geht schon noch!" Ein starker Arm streckte sich ihr entgegen und ehe sie wu?te, wie es zugegangen, stand sie mit den Kindern eingekeilt in dem schmalen Gang eines Wagens dritter Klasse, obwohl sie Karten zweiter Klasse gel?st hatte. Der Zug fuhr ab, eine Menge verzweifelter Leute zur��ck lassend. "Gottlob!" rief Frau Li?mann, sie zitterte noch
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