Fräulein Julie | Page 9

August Strindberg
schl?ft nach und nach ein.)
Jean (in schwarzem Rock und mit schwarzem Hut).
Julie. Tr��s gentil, monsieur Jean! Tr��s gentil!
Jean. Vous voulez plaisanter, madame!
Julie. Et vouz voulez parlez fran?ais! Wo haben Sie das gelernt?
Jean. In der Schweiz, als ich in einem der ersten Hotels in Luzern Zimmerkellner war!
Julie. Aber Sie sehen in dem Rock ja wie ein Gentleman aus! Charmant! (Sie setzt sich an den Tisch rechts.)
Jean. Ach, Sie schmeicheln!
Julie (verletzt). Schmeicheln? Ihm?
Jean. Meine angeborene Bescheidenheit erlaubt mir nicht zu glauben, da? Sie einem Menschen, wie mir, veritable Artigkeiten sagen, und darum erlaubte ich mir, anzunehmen, da? Sie ��bertrieben, oder wie man zu sagen pflegt, schmeichelten!
Julie. Wo haben Sie es gelernt, so Ihre Worte zu setzen? Sie m��ssen das Theater viel besucht haben?
Jean. Gewi?! Ich habe viele Orte besucht!
Julie. Aber Sie sind doch hier in der Gegend geboren?
Jean. Mein Vater war Instmann bei dem Staatsanwalt dieses Bezirks, und ich habe auch das Fr?ulein als Kind gesehen, obgleich das Fr?ulein mich nicht bemerkt haben!
Julie. Wirklich?
Jean. Ja, und auf einmal besinne ich mich namentlich -- ja, aber davon kann ich nicht reden!
Julie. O ja -- thun Sie es doch! Wie? Mir zum Gefallen!
Jean. Nein, ich kann jetzt wirklich nicht! Ein andermal vielleicht.
Julie. Ein andermal ist gar keinmal. Ist es denn jetzt so gef?hrlich?
Jean. Gef?hrlich ist es nicht, aber es ist doch am besten, es zu unterlassen! Sehen Sie nur, die da! (Er zeigt auf Christine, die auf einem Stuhl am Herde eingeschlafen ist.)
Julie. Das wird eine muntere Frau. Vielleicht schnarcht sie auch?
Jean. Das thut sie nicht; aber sie spricht im Schlaf.
Julie. Woher wissen Sie, da? sie im Schlaf spricht?
Jean. Ich habe es geh?rt!
(Pause, in der sie einander betrachten.)
Julie. Warum setzen Sie sich nicht?
Jean. Das darf ich mir in Ihrer Gegenwart nicht erlauben!
Julie. Und wenn ich es befehle?
Jean. Dann gehorche ich.
Julie. Setzen Sie sich! -- Aber warten Sie! K?nnen Sie mir nicht etwas zu trinken geben?
Jean. Ich wei? nicht, was sich hier im Eisschrank vorfindet. Ich glaube, es ist nur Bier.
Julie. Das ist nicht zu verachten! und ich meinesteils habe einen so einfachen Geschmack, da? ich es dem Wein vorziehe.
Jean (nimmt eine Bierflasche aus dem Eisschrank, welche er aufzieht; er sucht im Schrank nach einem Glas und einem Teller, auf dem er serviert). Darf ich bitten!
Julie. Danke! Wollen Sie nicht auch trinken?
Jean. Ich bin gerade kein Bierfreund, aber wenn das Fr?ulein befehlen!
Julie. Befehlen? Mir scheint, als h?flicher Kavalier k?nnten Sie Ihrer Dame Gesellschaft leisten.
Jean. Das ist sehr richtig bemerkt! (Er zieht noch eine Flasche auf und nimmt ein Glas.)
Julie. Trinken Sie nun auf mein Wohl!
Jean (z?gert).
Julie. Ich glaube, der alte Kerl ist sch��chtern!
Jean (auf den Knieen scherzhaft parodierend, erhebt sein Glas). Das Wohl meiner Herrin!
Julie. Bravo! -- Nun m��ssen Sie auch meinen Schuh k��ssen, dann ist es vollst?ndig.
Jean (z?gert, fa?t dann aber dreist ihren Fu? und k��?t ihn fl��chtig).
Julie. Ausgezeichnet! Sie h?tten Schauspieler werden sollen.
Jean (erhebt sich). Das geht nicht so weiter, Fr?ulein! Es k?nnte jemand kommen und uns sehen.
Julie. Was th?te das?
Jean. Die Leute w��rden ganz einfach dar��ber sprechen. Und wenn das Fr?ulein w��?ten, wie die M?uler schon vorhin gingen, dann --
Julie. Was sagten sie denn? Erz?hlen Sie es mir! Aber setzen Sie sich!
Jean (setzt sich). Ich m?chte Sie nicht kr?nken, aber sie gebrauchten Ausdr��cke -- die Vermutungen der Art andeuteten, da? -- ja, Sie werden das ja wohl selbst verstehen! Sie sind ja kein Kind mehr, und wenn man eine Dame allein mit einem Mann zusammen trinken sieht -- sei es auch nur ein Bedienter -- zumal noch in der Nacht -- dann --
Julie. Was dann? Und ��brigens sind wir nicht allein. Christine ist ja hier.
Jean. Ja, sie schl?ft.
Julie. Dann werde ich sie wecken. (Sie steht auf.) Christine! Schl?fst du?
Christine (im Schlaf). Bla--bla--bla--bla!
Julie. Christine! -- Die kann schlafen!
Christine (im Schlaf). Die Stiefeln des Grafen sind geputzt -- Kaffee aufsetzen -- sofort, sofort, sofort. -- O, o! -- Puh!
Julie (fa?t sie bei der Nase). Willst du aufwachen!
Jean (streng). St?ren Sie einen Schlafenden nicht!
Julie (scharf). Wie?
Jean. Wer den ganzen Tag am Herd gestanden hat, kann m��de sein, wenn die Nacht kommt. Und den Schlaf soll man respektieren.
Julie (in anderm Ton). Das ist h��bsch gedacht, und das ehrt Ihn -- Danke! (Sie reicht Jean die Hand.) Kommen Sie nun hinaus und pfl��cken Sie mir etwas Flieder!
Christine (erwacht w?hrend des Folgenden und geht schlaftrunken nach rechts ab, um sich zu Bett zu begeben).
Jean. Mit dem Fr?ulein?
Julie. Mit mir!
Jean. Das geht nicht! Absolut nicht!
Julie. Ich verstehe nicht, was Sie meinen. Sollte es m?glich sein, da? Sie sich etwas einbilden?
Jean. Ich nicht, aber die Leute!
Julie. Was? Da? ich in einen Bedienten verliebt w?re?
Jean. Ich bin kein eingebildeter Mensch, aber man hat Beispiele gesehen -- und den Leuten ist nichts heilig.
Julie. Er ist, glaube ich, Aristokrat!
Jean. Ja, das bin ich.
Julie. Und ich steige herab --
Jean. Steigen Sie nicht herab, Fr?ulein, h?ren Sie meinen Rat! Niemand glaubt, da? Sie gutwillig herabsteigen;

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