Die Richterin: Novelle

Conrad Ferdinand Meyer

Die Richterin, by Conrad Ferdinand Meyer

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Title: Die Richterin
Author: Conrad Ferdinand Meyer
Release Date: January, 2006 [EBook #9632] [This file was first posted on October 11, 2003]
Edition: 10
Language: German
Character set encoding: ISO-8859-1
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E-text prepared by Delphine Lettau and Mike Pullen

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Die Richterin
Novelle
Conrad Ferdinand Meyer

Erstes Kapitel
"Precor sanctos apostolos Petrum er Paulum!" psalmodierten die M?nche auf Ara C?li, w?hrend Karl der Gro?e unter dem lichten Himmel eines r?mischen M?rztages die ziemlich schadhaften Stufen der auf das Kapitol f��hrenden Treppe emporstieg. Er schritt feierlich unter der Kaiserkrone, welche ihm unl?ngst zu seinem herzlichen Erstaunen Papst Leo in rascher Begeisterung auf das Haupt gesetzt. Der Empfang des h?chsten Amtes der Welt hatte im Ernste seines Antlitzes eine tiefe Spur gelassen. Heute, am Vorabend seiner Abreise, gedachte er einer solennen Seelenmesse f��r das Heil seines Vaters, des K?nigs Pippin, beizuwohnen.
Zu seiner Linken ging der Abt Alcuin, w?hrend ein Gefolge von H?flingen, die aus allen L?ndern der Christenheit zusammengew?hlte Palastschule, sich in gemessener Entfernung hielt, halb aus Ehrerbietung, halb mit dem Hintergedanken, in einem g��nstigen Augenblicke sich sachte zu verziehen und der Messe zu entkommen. Die vom Wirbel zur Zehe in Eisen geh��llten H?flinge schlenderten mit gleichg��ltiger Miene und hochfahrender Geb?rde in den erlauchten Stapfen, die Begr��?ung der umstellenden Menge mit einem kurzen Kopfnicken erwidernd und sich ��ber nichts verwundern wollend, was ihnen die Ewige Stadt Gro?es und Ehrw��rdiges vor das Auge stellte.
Jetzt hielten sie vor der ersten Stufe, w?hrend oben auf dem Platze Karl mit Alcuin bei dem ehernen Reiterbilde stillestand. "Ich kann es nicht lassen", sagte er zu dem gelehrten Haupte, "den Reiter zu betrachten. Wie mild er ��ber der Erde waltet! Seine Rechte segnet! Diese Z��ge m��ssen ?hnlich sein."
Da fl��sterte der Abt, den der Hafer seiner Gelehrsamkeit stach: "Es ist nicht Constantin. Das hab ich l?ngst heraus. Doch ist es gut, da? er daf��r gelte, sonst w?ren Reiter und Gaul in der Flamme geschmolzen." Der kleine Abt hob sich auf die Zehen und wisperte dem gro?en Kaiser ins Ohr: "Es ist der Philosoph und Heide Marc Aurel." "Wirklich?" l?chelte Karl.
Sie gingen der Pforte von Ara C?li zu, durch welche sie verschwanden, der Kaiser schon in Andacht vertieft, so da? er einen netten jungen Menschen in r?tischer Tracht nicht beachtete, der unferne stand und durch die ehrf��rchtigsten Gr��?e seine Aufmerksamkeit zu erregen suchte.
"Halt, Herren", rief einer der inzwischen bei dem Reiterbilde angelangten H?flinge und fing rechts und links die H?nde der neben ihm Wandelnden, "jetzt, da alles treibt und schwillt"--Erd- und Lenzgeruch kam aus nahen G?rten--, "will ich meinen Becher und was mir sonst lieb ist mit Veilchen bekr?nzen, aber keinen Weihrauch trinken, am wenigsten den einer Totenmesse. Ich habe hier herum eine Schenke entdeckt mit dem steinernen Zeichen einer saugenden W?lfin. Das hat mir Durst gemacht. Sehen wir uns noch ein bi?chen den Reiter an und verduften dann in die Tabernen."
"Wer ist's?" fragte einer.
"Ein griechischer Kaiser"
"Den setzen wir ab"--
"Wie er die Beine spreizt!"--
"Reitet der Kerl in die Schwemme?"--
"Holla, Stallknecht!"--
"Nettes Tier!"--
"W��lste wie ein Mastschwein!"
So ging es Schlag auf Schlag, und ein frecher Witz ��berblitzte den andern. Das antike Ro? wurde gr��ndlich und unbarmherzig kritisiert.
Der artige R?ter hatte sich nach und nach dem Kreise der Sp?tter gen?hert. Seine Absicht schien, zwischen zwei Gel?chtern in ihre Gruppe zu gelangen und auf eine unverf?ngliche Weise mit der Schule anzukn��pfen. Aber die H?flinge achteten seiner nicht. Da
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