Der Todesgruß der Legionen, 3. Band | Page 9

Johann Ferdinand Martin Oskar Meding
einer feinen R?the auf den Wangen belebt wurde, war von klassischer Sch?nheit, ihre dunklen Augen mit den auffallend langen Wimpern waren voll Geist, Lebendigkeit und Sanftmuth zugleich, und um ihren zierlichen und frischen Mund lag ein Zug von fast kindlicher Harmlosigkeit und Naivit?t.
Sie verneigte sich ohne alle Befangenheit mit den Manieren der besten Gesellschaft vor dem Kaiser, welcher ganz erstaunt schien, die ber��hmte Sybille in der Gestalt eines so anmuthigen, jungen M?dchens zu erblicken.
"Man hat mir viel erz?hlt," sagte der Kaiser, "von der besonderen, eigent��mlichen Kraft, welche Sie besitzen, das Reich der Geister zu ?ffnen. Und da ich mich f��r alle solche Dinge interessire, durch welche man versucht, den Schleier der Geheimnisse zu l��ften, welche unser Leben umgeben, so habe ich gew��nscht, eine Probe Ihrer Kunst zu sehen."
"Es macht mich gl��cklich," erwiderte Fr?ulein Lesueur mit einer ungemein wohlt?nenden, etwas tiefen Stimme, "Euer Majest?t Wunsch zu erf��llen. Es ist keine geheimni?volle Kunst dabei," fuhr sie fort, "meine Mutter hatte die Kraft, durch das Medium dieses kleinen Tisches eine Verbindung mit dem unsichtbaren Reich der Geister herzustellen. Diese ihre Kraft ist auf mich ��bergegangen, und nach ihrem Tode habe ich es versucht, wie sie die Geister sprechen zu lassen,--es ist mir in vielen F?llen gelungen, und ich hoffe, da? es mir auch Euer Majest?t gegen��ber gelingen wird."
"So beginnen wir," sagte der Kaiser.
Pietri stellte zwei St��hle einander gegen��ber an den kleinen Tisch.
Mademoiselle Lesueur setzte sich auf den einen, zog ihre Handschuhe aus,--legte die Spitzen ihrer zierlichen Finger leicht auf die Tischplatte und sagte:
"Wollen Euer Majest?t die Gnade haben, mir gegen��ber Platz zu nehmen."
Der Kaiser setzte sich mit einem fast unwillk��rlichen L?cheln an die andere Seite des Tisches.
"Ich bitte Euer Majest?t," sagte Fr?ulein Lesueur, "Ihre H?nde ebenso wie ich auf die Platte legen zu wollen."
Der Kaiser that es.
Fr?ulein Lesueur schwieg einen Augenblick. Dann schlug sie ihre dunklen Augen mit schw?rmerischem Ausdruck empor und sprach mit halb lauter Stimme:
"Allm?chtiger, dreieiniger Gott, der Du herrschest auf der Erde, wie in den H?hen des Himmels und in den Tiefen der H?lle, ich bitte Dich den Geistern, die ich in Deinem Namen rufe, zu erlauben, da? sie aus ihren Wohnungen herabsteigen und auf meine Fragen antworten, zu verk��ndigen, was sie wissen und was Du ihnen erlaubst, zu sagen."
Der Kaiser h?rte ganz erstaunt diesen im Ton des inbr��nstigen Gebets gesprochenen Worten zu.
"Befehlen Euer Majest?t," sagte die junge Dame sodann, "da? ich einen bestimmten Geist rufen soll, oder wollen Sie den mir pers?nlich befreundeten Geist h?ren."
Abermals konnte der Kaiser ein leichtes L?cheln nicht unterdr��cken.
"Ich bitte Sie zun?chst Ihren Geist kommen zu lassen, Mademoiselle," sagte er.
"Es ist der Geist meiner Mutter," erwiderte Mademoiselle Lesueur, "und er wird sogleich erscheinen."
Sie beugte sich ein wenig nieder und fl��sterte eine unverst?ndliche Formel leise vor sich hin.
Wenige Augenblicke darauf begann der Tisch leise zu zittern.
Der Kaiser dr��ckte die H?nde st?rker auf die Platte, allein die unruhige, beinahe wellenf?rmige Bewegung des Holzes vermehrte sich immer mehr und mehr. Nach kurzer Zeit hob sich der Tisch auf der Seite des Kaisers ein wenig in die H?he und blieb in dieser schwebenden Stellung stehen.
"Der Geist ist da," sagte Mademoiselle Lesueur, "und bereit, Euer Majest?t zu antworten. Ich bitte, Euer Majest?t, zu fragen,--es ist aber nicht n?thig, da? Sie die Frage aussprechen, Sie k?nnen Sie in Gedanken stellen, die Geister haben die Kraft, die Gedanken zu lesen."
Der Kaiser dachte einen Augenblick nach.
"Kann mir der Geist," fragte er, "den Namen nennen, an welchen ich in diesem Augenblick denke?"
"Wie hei?t der Name?" fragte Mademoiselle Lesueur mit gesenktem Haupt und leiser Stimme.
Der Tisch setzte sich sogleich in eine lebhafte Bewegung. Er schwankte einige Male stark hin und her, dann senkten sich die beiden erhobenen F��?e desselben nieder, und in rascher Folge begann er scharf und vernehmbar auf das Parquet zu klopfen, immer nach einer gewissen Zahl von Schl?gen inne haltend.
Mademoiselle Lesueur folgte aufmerksam diesen Schl?gen, mit leiser Stimme sagte sie: B-e-a-u-r-y.
"Der Name, an den Euer Majest?t gedacht, hei?t Beaury," sprach sie dann ruhig und bestimmt, den Blick fest auf den Kaiser richtend.
Napoleon zuckte zusammen, erschrocken blickte er in das l?chelnde Gesicht der jungen Dame.
"Sie haben Recht," sagte er, "der Geist hat den Namen richtig gelesen."
Er bog sich einen Augenblick zur��ck und blickte unter den Tisch, dessen F��?e unmittelbar an der Platte befestigt waren.
Die vier F��?e standen vollkommen frei, auf dem Boden, Mademoiselle Lesueur etwas vorgebeugt, sa? so weit zur��ck, da? nicht einmal der Saum ihres Kleides die F��?e des Tisches ber��hrte.
Der Kaiser sch��ttelte den Kopf und legte die H?nde wieder auf den Tisch.
"Da Ihr Geist," sagte er, "den Namen gelesen hat, an welchen ich gedacht, so wird er mir auch eine andere Frage beantworten k?nnen, welche sich an diesen Namen kn��pft."
"Ich bitte Euer Majest?t," sagte Mademoiselle Lesueur, "die Frage in Ihren Gedanken zu formuliren--"
Abermals begann der Tisch zu schwingen und zu zittern, diesmal st?rker als vorher.
Nach kurzer Zeit schlugen die F��?e abermals

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