Der Todesgruß der Legionen, 1. Band | Page 4

Johann Ferdinand Martin Oskar Meding
zwang--"ich erinnere mich nicht, Herr Vergier, Ihnen das Recht gegeben zu haben, Vermuthungen ��ber meine Beziehungen zu andern Personen auszusprechen und an diese Vermuthungen Belehrungen und Beleidigungen zu kn��pfen. Ich habe von Ihnen Frist verlangt, um ��ber Ihre W��nsche nachzudenken und Ihnen versprochen, Ihnen demn?chst zu antworten.
"Wenn Sie sich herausnehmen in dem Ton mit mir zu sprechen, den ich so eben geh?rt, so wird die Folge davon sein, da? ich, ohne weiter einer Frist zu bed��rfen, Ihren Antrag sogleich mit einem bestimmten und unwiderruflichen 'Nein' beantworte."
Herr Vergier beugte sich unter dieser entschiedenen Erkl?rung des jungen M?dchens zusammen, er schlug die Augen nieder und zwang sich zu einem freundlichen L?cheln.
"Verzeihung, Fr?ulein Luise!" sagte er mit leiser Stimme, indem er dem jungen M?dchen n?her trat und ihr die Hand reichte, welche sie nur leicht mit den Spitzen ihrer Finger ber��hrte--"Verzeihung, ich habe mich hinrei?en lassen von meinem Gef��hl, aber gerade diese Bewegung sollte Ihnen zeigen wie tief dasselbe ist."
Luise antwortete nicht, schlug die Arme ��bereinander und blickte unbeweglich in die Kaminglut.
Nach einigen Augenblicken tiefen Schweigens trat der Vater des jungen M?dchens, der Holzh?ndler Challier in den Salon.--
Herr Challier war ein Mann von sechszig Jahren, nicht hoch gewachsen, aber trotz seines Alters noch von schlanker und elastischer Gestalt; das kurze dichte Haar war durchweg grau und an den Schl?fen wie ��ber der Stirn zur��ckgestrichen, so da? das scharfgeschnittene, ausdrucksvolle Gesicht mit den lebhaft blickenden dunkeln Augen und den noch fast schwarzen Augenbrauen an jene alten K?pfe aus der Zeit des Puders erinnerte.
Der alte Herr begr��?te Herrn Vergier und seine Tochter, ohne die peinliche Gereiztheit zu bemerken, in welcher Beide sich befanden.
"Wir haben heute die Arbeit sp?t geschlossen," sagte er, "es sind so bedeutende Bestellungen von Seiten der Kriegsverwaltung gemacht, da? wir alle H?nde voll zu thun haben um denselben zu gen��gen; nach diesen Vorbereitungen sollte man fast glauben, da? gro?e Ereignisse bevorstehen, w?hrend doch die Zeitungen Nichts dergleichen vermuthen lassen und alle officiellen Kundgebungen nur die zuversichtlichsten Friedensversicherungen enthalten."
"Ich glaube an diese Versicherungen wenig," sagte Herr Vergier, welcher sehr zufrieden damit zu sein schien, da? die Unterhaltung ein Gebiet ber��hrte, das so weit von dem Gegenstande entfernt war, der so eben das Gespr?ch zwischen ihm und Fr?ulein Luise gebildet hatte--"wir haben es schon ?fter erlebt, da? unmittelbar vor den gro?en Conflicten in allen Tonarten der Weltfriede verk��ndet wurde und mich machen so feierliche und so bei jeder Gelegenheit wiederholte Friedensversicherungen ein wenig mi?trauisch.
"Ich wei?, da? auch auf dem Gebiet meines Gesch?fts neuerdings wieder gro?e Bestellungen gemacht worden sind und die ganze industrielle Welt hat das Gef��hl, da? in der schw��len Luft dieser Zeit ein gro?es ersch��tterndes Gewitter sich vorbereitet, und so sehr ich," fuhr er lebhafter fort, "als Industrieller den Frieden w��nsche, so mu? ich doch sagen, da? ich als Franzose mit tiefem Schmerz die passive Unth?tigkeit empfinde, zu welcher die Regierung des Kaisers Frankreich verurtheilt und durch welche die Stellung unseres Landes in Europa immer schwerer ersch��ttert und immer tiefer untergraben wird."
Der alte Challier sch��ttelte langsam den Kopf.
"Mir fehlt es wahrlich nicht an franz?sischem Nationalgef��hl," sagte er, "und gerade die B��rger von Saint-Dizier, zu denen meine Familie seit Jahrhunderten geh?rt, sind mit dem militairischen Ruhm Frankreichs eng verwachsen, aber ich sehe wahrlich nicht, da? und wie die Achtung gebietende Stellung unseres Landes bedroht w?re und ich glaube da? der Kaiser sehr wohl daran thut den kriegerischen Aufwallungen nicht nachzugeben, welche sich seit l?ngerer Zeit so oft bemerkbar machen.
"Er hat Frankreich auf eine H?he des Wohlstandes gebracht wie dieselbe kaum jemals fr��her vorhanden war; sein neues Wegesystem hat jeder Arbeit den sicheren und leichten Absatz verschafft und es w?re ohne die allergewichtigsten Ursachen geradezu ein Verbrechen unser so herrlich aufbl��hendes Land in die Gefahren eines gro?en Krieges zu st��rzen. Die Nachwehen dieser mexikanischen Expedition, welche uns so viel Geld und Blut gekostet hat, sind kaum ��berwunden und ein neuer Krieg w��rde kaum zu verantworten sein."
"Aber glauben Sie denn," rief Herr Vergier lebhaft, "da? der Kaiser sich auf die Dauer wird halten k?nnen, wenn er nicht durch einen gl��cklichen und siegreichen Krieg seiner Regierung ein neues nationales Fundament giebt? Man sagt ja, da? seine besten Freunde ihm zu solchem Kriege rathen.--Ich liebe das kaiserliche Regiment nicht--ich habe nie ein Hehl daraus gemacht, da? ich in der Republik die einzige Regierungsform sehe, welche Frankreich dauernd zu Gl��ck und fester Gr??e f��hren kann und ich w��rde ohne Bedauern den Zusammenbruch dieser willk��rlichen Regierung ansehen, der wir jetzt unterworfen sind--"
"Sie thun Unrecht," fiel Herr Challier ernst und entschieden ein--"die Jugend liebt die Ver?nderung und glauben Sie mir, es ist wesentlich die Neigung zur Ver?nderung, welche die Gegner des Kaiserreichs erf��llt; ich bin kein unbedingter Bewunderer der Napoleonischen Herrschaft--die Traditionen unserer Stadt und unserer Gegend weisen uns vielmehr auf die alten legitimen K?nige von Frankreich zur��ck, mit denen unsere Vorfahren in der gro?en Geschichte der Vorzeit so eng
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