werden. Nur einer Abweichung von der Erwartung sei gedacht. Es war nicht immer ein einziges Erlebnis, welches das Symptom zur��cklie?, sondern meist waren zahlreiche, oft sehr viele ?hnliche, wiederholte Traumen zu dieser Wirkung zusammengetreten. Diese ganze Kette von pathogenen Erinnerungen mu?te dann in chronologischer Reihenfolge reproduziert werden, und zwar umgekehrt, die letzte zuerst und die erste zuletzt, und es war ganz unm?glich, zum ersten und oft wirksamsten Trauma mit ��berspringung der sp?ter erfolgten vorzudringen.
Sie werden nun gewi? noch andere Beispiele von Verursachung hysterischer Symptome als das der Wasserscheu durch den Ekel vor dem aus dem Glas trinkenden Hund von mir h?ren wollen. Ich mu? mich aber, wenn ich mein Programm einhalten will, auf sehr wenige Proben beschr?nken. So erz?hlt Breuer, da? ihre Sehst?rungen sich auf Anl?sse zur��ckf��hrten ?in der Art, da? Patientin mit Tr?nen im Auge, am Krankenbett sitzend, pl?tzlich vom Vater gefragt wurde, wieviel Uhr es sei, undeutlich sah, sich anstrengte, die Uhr nahe ans Auge brachte und nun das Zifferblatt sehr gro? erschien (Makropsie und Strabismus conv.); oder Anstrengungen machte, die Tr?nen zu unterdr��cken, damit sie der Kranke nicht sehe?.[5] Alle pathogenen Eindr��cke stammten ��brigens aus der Zeit, da sie sich an der Pflege des erkrankten Vaters beteiligte. ?Einmal wachte sie nachts in gro?er Angst um den hochfiebernden Kranken und in Spannung, weil von Wien ein Chirurg zur Operation erwartet wurde. Die Mutter hatte sich f��r einige Zeit entfernt, und Anna sa? am Krankenbette, den rechten Arm ��ber die Stuhllehne gelegt. Sie geriet in einen Zustand von Wachtr?umen und sah, wie von der Wand her eine schwarze Schlange sich dem Kranken n?herte, um ihn zu bei?en. (Es ist sehr wahrscheinlich, da? auf der Wiese hinter dem Hause wirklich einige Schlangen vorkamen, ��ber die das M?dchen schon fr��her erschrocken war, und die nun das Material der Halluzination abgaben.) Sie wollte das Tier abwehren, war aber wie gel?hmt; der rechte Arm, ��ber die Stuhllehne h?ngend, war 'eingeschlafen', an?sthetisch und paretisch geworden, und als sie ihn betrachtete, verwandelten sich die Finger in kleine Schlangen mit Totenk?pfen (N?gel). Wahrscheinlich machte sie Versuche, die Schlange mit der gel?hmten rechten Hand zu verjagen, und dadurch trat die An?sthesie und L?hmung derselben in Assoziation mit der Schlangenhalluzination. Als diese verschwunden war, wollte sie in ihrer Angst beten, aber jede Sprache versagte, sie konnte in keiner sprechen, bis sie endlich einen englischen Kindervers fand und nun auch in dieser Sprache fortdenken und beten konnte.?[6] Mit der Erinnerung dieser Szene in der Hypnose war auch die seit Beginn der Krankheit bestehende steife L?hmung des rechten Armes beseitigt und die Behandlung beendigt.
[5] Studien ��ber Hysterie, 2. Aufl., p. 31.
[6] l. c. p. 30.
Als ich eine Anzahl von Jahren sp?ter die Breuersche Untersuchungs- und Behandlungsmethode an meinen eigenen Kranken zu ��ben begann, machte ich Erfahrungen, die sich mit den seinigen vollkommen deckten. Bei einer etwa 40j?hrigen Dame bestand ein Tic, ein eigent��mlich schnalzendes Ger?usch, das sie bei jeder Aufregung und auch ohne ersichtlichen Anla? hervorbrachte. Es hatte seinen Ursprung in zwei Erlebnissen, denen gemeinsam war, da? sie sich vornahm, jetzt ja keinen L?rm zu machen, und bei denen wie durch eine Art von Gegenwillen gerade dieses Ger?usch die Stille durchbrach; das eine Mal, als sie ihr krankes Kind endlich m��hselig eingeschl?fert hatte und sich sagte, sie m��sse jetzt ganz still sein, um es nicht zu wecken, und das andere Mal, als w?hrend einer Wagenfahrt mit ihren beiden Kindern im Gewitter die Pferde scheu wurden, und sie sorgf?ltig jeden L?rm vermeiden wollte, um die Tiere nicht noch mehr zu schrecken.[7] Ich gebe dieses Beispiel anstatt vieler anderer, die in den ?Studien ��ber Hysterie? niedergelegt sind.[8]
[7] l. c. 2. Aufl., p. 43 u. 46.
[8] Eine Auswahl aus diesem Buche, vermehrt durch einige sp?tere Abhandlungen ��ber Hysterie, liegt gegenw?rtig in einer englischen, von Dr. A. A. Brill in New York besorgten ��bersetzung vor.
Meine Damen und Herren, wenn Sie mir die Verallgemeinerung gestatten, die ja bei so abgek��rzter Darstellung unvermeidlich ist, so k?nnen wir unsere bisherige Erkenntnis in die Formel fassen: Unsere hysterisch Kranken leiden an Reminiszenzen. Ihre Symptome sind Reste und Erinnerungssymbole f��r gewisse (traumatische) Erlebnisse. Ein Vergleich mit anderen Erinnerungssymbolen auf anderen Gebieten wird uns vielleicht tiefer in das Verst?ndnis dieser Symbolik f��hren. Auch die Denkm?ler und Monumente, mit denen wir unsere gro?en St?dte zieren, sind solche Erinnerungssymbole. Wenn Sie einen Spaziergang durch London machen, so finden Sie vor einem der gr??ten Bahnh?fe der Stadt eine reichverzierte gotische S?ule, das Charing Cross. Einer der alten Plantagenetk?nige im XIII. Jahrhundert, der den Leichnam seiner geliebten K?nigin Eleanor nach Westminster ��berf��hren lie?, errichtete gotische Kreuze an jeder der Stationen, wo der Sarg niedergestellt wurde, und Charing Cross ist das letzte der Denkm?ler, welche die Erinnerung an diesen Trauerzug erhalten sollten.[9] An einer anderen Stelle der Stadt, nicht weit von London Bridge, erblicken Sie eine modernere hochragende S?ule, die kurzweg ?The Monument? genannt wird.

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